Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 362
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ist die Gruppen. 96, die man für die altere und bessere
zu erklären kein Bedenken tragen wird, von solcher Zierlich-
keit, daß Heinrichs Urtheil in seiner Abhandlung Her-
maphroditorum origines p. 57., bei genauerer Betrach-
tung gewiß zu hart und unzureichend gefunden werden dürfte.
Mit Recht nennt sie Meyer zu Winckelmann IV, 235
bewundernswürdig.

Aber auch stehende Hermayhroditenstatuen hat es
gegeben. Die in Pompeji neuerlich ausgegrabene ist nicht
die einzige. Auch die florentinische Gallerie hat eine Statue
Der Art, abgebildet in der Keule Gal. di Firenze, Serie
IV. n. 60. wobei Zann 0 ni in seinem gelehrten Commen-
tar schon die von Caylus früher bekannt gemachten im Re-
cueil T. III. pl. 2g. 29., 1. V. pl. go. anzuführen
nicht vergessen hat. In kleinen Bronzen finden sich derglei-
chen, wie Caylus im Zten Theile abgebildet hat, gewiß in
mehrern Kunstsammlungen. Man hat aber zu wenig darauf
geachtet. Ohnstreitig einen stehenden Hermaphroditen sah
man auch in Constantinopel in den Bädern des Zeuxippus,
nach der Beschreibung, der Ecphrasis des Christodorus Cop-
tites V. 102 ff. in den Analecten 1. II. p. 460, denn es
heißt hier ausdrücklich rl(?TaTo — 'EgfiaCpQobiTos. Vergl.
Heyne in den Commentationibus Soc. Gotting. T.

dergleichen Auswüchse der thierischen Ausgelassenheit den Satyrn zu
und betrachtete sie als ein Symptom der Satyriasis, welche die Römer
von ihren ausschweifenden Nachbarn morbus campanus nannten,
wie aus der so oft misverstandenen Stelle in Horaz Satiren l. 5. 62.
deutlich hervorgeht, und wovon schon Z. Platner in seinen Opua-
cuiis T, ir. p. 28. die richtigste Erklärung gegeben hat. Dahin gehört
Tibers ulcerosa facies beim Tacitus IV. Ann. 57. und des Sarvpov
*rp6$üo7rov bei Aristoteles Gener. Anim. IV, Z. Man muß aber
damit eine andere Verunstaltung an den Satyrköpfen, die Ohrdrüse,
die in ekelhaften Warzen wie bei den Ziegenböcken vom Halse herabhingen,
die ftjpeia des Hippokrates nicht verwechseln, wie Heyne in den
antiquarischen Aufsätzen II, 6i. gekhan hat. Freilich haben
sie beide einerlei Ursprung.
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