Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 363
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XI. p. 18- In Alciphrons Briefen kommt eine Kapelle des
Harmaphrodits in Athen vor, die eine junge Frau besucht,
um dort den Hermaphrodit mit Myrten zu kränzen, III, 57.
wobei W a g n e r 1. II. p. 119 aus des gelehrten I 0 r t i n
L r acts die Meinung anführt, daß dieser hermaphroditische
Gott wohl als ein Symbol der innigsten Vereinigung beider
Geschlechter (äg^gov sv von angehenden Eheleuten

eine besondere Verehrung genossen Habel! Wir wollen nicht
untersuchen, ob nicht die^Uprf d,vyhi und die andern $eoi
yafujktoi, die in Athen verehrt wurden, über diesen Dienst
etwas erröthet seyn möchten. Aber da mußte doch eine
Statue des Gottes stehn, wo sie gekränzt und mit Weih-
rauch beräuchert werden soll? An liegende oder sitzende
Figuren ist aus sehr begreiflichen Ursachen nicht zu denken.
Dasselbe geht aus einer Stelle in Theophrasts Charakteren
hervor, wo in den aus der Vaticanischen Handschrift hinzu-
gekommenen Zusätzen vom Abergläubischen berichtet^ wird,
daß er an gewissen heiligen Tagen im Monat den ganzen
Tag die Hermaphroditenstatuen drinnen kränze eurekSwv
£lguü (TTeCpavovv rovg'EpfiaCpfJodirovg o^vrijv qfieoav
Charact. XXV. p. 56. Schneid* XVI. p. 20. Ast.
Die Erzählung ist zu gelehrt, um die Interpolation eines
spätem Scholiasten seyn zu können, ob ich gleich Coray's
und Hottinger's Meinung über die Unächtheit dieser und der
übrigen Zusätze bin. Standbilder sind auch hier zu
verstehn. Nur ist die Frage: wie sie gestaltet gewesen? *)
Heinrich hat schon in seiner gelehrten Abhandlung p. 12
ff. das vieldeutige und vielseitige der mit dem Hermes zusam-.

*) Der jüngere Schweighäuser hat sich sowohl in seinen

Lettres sur quelques passages de Theophraste cet. tlt MllIiN' 6
Magaz. Encyclop. an. IX. T. I. p. 439 als tlt den Anmerkungen ZU
seinem Theophrast bei La Brüiere p. 74. bestimmt darüber erklärt,
daß es des Hermes a tete de Venus gewesen waren. Dann würde
an der Säule selbst die phallische Ausstattung nicht gefehlt haben,
und Mazoch i's Erklärung ad tabulas Heracleenses p. i49' not.4.
wäre die einzig richtige.
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