Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 365
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gebogenen Rücken, im Besitze des Herausgebers selbst/ die
durch Verschmelzung weiblicher Formen mit den männlichen
Geschlechtsteilen alle Kennzeichen eines wahren Hermaphro-
diten an sich trägt. Knight erklärt sie für die mystische Gestalt
des didymäischen Apollo und setzt in Absicht auf weichliche
Weiblichkeit, obgleich in ganz anderer Stellung und Hand-
lung , das Bild mit einer zweiten Figur in diesen Speci-
mens n. 12., die ihm auch ein didymäischer Apoll ist, in
Vergleichung. Man vergleiche was er in den Enquiry §.
iZZ. x. ioZ. über diesen vermeintlichen Apollo Androgynus
aus Münzen und andern Denkmälern zur Erläuterung bei-
bringt. Der geschnittene Stein, den er zum Beweise auf
dem letzten Blatte der Lpeeiinens in der Schlußverzierung
n. 1. hat in Kupfer stechen lassen, würde durch die Gestalt
des Bogens, den man darauf zu entdecken glaubt, aller-
dings für diese Erklärung sprechen und es könnte damit ein
zweiter Intaglio in einem Sardonyx, den Casanova besaß,
und dessen er imviscorso p.49 als eines mann-weiblichen
Apollo erwähnt, in Verbindung gebracht werden. Doch cs ist
vermessen, ohne eigene Anschauung sich hier ein entscheiden-
des Urtheil zu erlauben. Es scheint nach dem meisterhaft
ausgeführten Kupfer zu urtheilcn, die in n. 43 abgebildete
Bronze ein wahrer Hermaphrodit zu seyn und einer künstlichern
Erklärung gar nicht zu bedürfen.

Und so wäre denn auch an stehenden Hermaphroditen
eben kein Mangel. Die Haarflechten und die Bänder, wie
auf den Dresdner Symplegmen und auf dem geschnittenen
Stein, der in Tassie's Eatalogne pl.XXXI. n. 1509.
abgebildet ist, oder die Mitra artigen Hauben (palliolum
der römischen Weichlinge) bei mehreren Hermaphroditen, wie
bei dem fiorentinischen stehenden und dem von Caylus abge-
bildeten im Eecueil 1. 111. pl. 28. 29. dürfen hierbei
nirgends übersehen werden. Wer mag es ermessen, was
sich die in Wollust-Extafen entzückte Fantasie griechischer
Künstler alles erlaubt habe, nachdem einmal die Worte des Pli-
nius von diesen Zwitternaturen (VII. 3-) olim in prodi-
giis habiti, nunc in deliciis, in einem versunkenen
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