Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: III
DOI Seite: 10.11588/diglit.9752#0007
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V o r b e r i ch t.

Ä)!an kennt die bekannte Vorstellung auf antiken ge-
schnittenen Steinen, wo ein Ziegenhirt, oder, weil ja
alles in der alten Kunst in die Götter-und Dämonen-
welt hinüber spielt, ein Satyrisk seine Licblingsziege,
„ des strengen GeiSbocks Frau " oder auch ihn selbst,
vor ihnen sitzend liebkoset. Ich bin weit entfernt von
der dünkelhaften Anmaßung gewesen, zu hoffen,
daß Amalthea von der Kririk auf ähnliche Weise ge-
pflegt und gestreichelt werden sollte. Vor der Strenge
der unerbittlichen Kunstrichtcr sichert selbst ihre himmli-
sche Abkunft nicht. Jttdcß ist sie als die wahrhaft
belobte und beliebte Himmelsziege, die nach einem alteil
Sprichwort alle Güter lind Gaben verleihen kann, *)
doch überall mitWohlwvllcn und ermunterndem Zuspruch
ausgenommen worden nnd selbst da, wo die alls dem
Orient abstammende Ableitung des Wortes Amalthea
mit einer Anwandlung übler Laune gegen den Pfleger
derselben geltend gemacht worden ist, wollte man ihr
selbst, das liegt am Tage, nicht wehe thun. Und wenn
allch der wackere und auf Gewinn hierbei wenig zäh-
lende Verleger das Fragment des alten Comödiendich-
tcrs Kratinos

*) Man sche die griechischen Parömiographen und Hesychius s. v.
ovpuviu ai£.
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