Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: V
DOI Seite: 10.11588/diglit.9752#0009
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V o r b e r i ch t.

v

für Künstler für unsre Sammlung. Der Rath ist gut,
ist sogar nützlich für Absatz und allgemeine Verbreitung.
Auch kann man mir selbst eine Vorliebe für diese Art
der Darstellung und Anwendung alterthümlicher For-
schung und Beschauung, noch meineTheilnahme an man-
chen Zeitschriften, die gern von allen Gebildeten gelesen
seyn und selbst in den Augen geistreicher Frauen Gunst
stnden wollen, kaum absprcchen. *) Allein dicß Popula-
risiren der Wissenschaft hat bei so mancher sich ver-
führerisch einschmeichelnden Lockung auch seine eignen
Fußangeln. Erschöpfende Gründlichkeit mit glatter
Ausschmückung vermählen zu wollen, macht eine sehr
ungleiche Ehe und könnte leicht zur Mißheirath werden,
häßliche Zwitter erzeugend. Die Citatenflucht und Cita-
tensucht sind entgegengesetzte Unarten. Aber auch das,
was in der Mitte der beiden liegt, mag noch immer
durch sein befremdendes und dem verwöhnten Auge auf-
fallendes Ansehn allerlei Aergerniß zubcreiten. Und

*) Meine Sabina oder die Toilette einer Römerin ist ans
diesem Wege vor 24 Jahren entstanden. Neuerlich sind zwei wunder-
liebliche Vascngemälde in des gelehrten Britischen Archäologen I.
Millingen Vase- Grecs inedits pl. fit. 52. der Liebeszauber,
wodurch die schöne Helena bethört wird (in der Urania von 1820.)
und Venus in Staatskleidern thronend im Wiener Conver-
sacionsblatt von 1821. Nr. 82. auf diese Weise der Lesewelt nä-
her gebracht worden. Auch machten die archäologischen Untersuchungen
über das Coltuni der Sappho und noch ganz neuerlich über die herr-
schende Mode der gewürfelten Zeuge in der Wiener Zeit-
schrift für Kunst, Literatur und Mode 1S21. Nr. 139. ff.
auf solche Aubequemung des klassischen Alterrhums auf moderne Ge-
genstände einigen Anspruch. Schon vor fast zo Jahren entwarf ich
in Weimar den Plan zu einem modern-antiken Knnstjournal, das den
Titel Pökile führen sollte. Mein unvergeßlicher Freund Millin in
Paris und Herr v. Ramdohr wollrcu Thcil daran nehmen. Aber
die Kostenberechnung schreckte ab. Denn ohne colorirtc Bilder läßt
sich so etwas nicht geben.
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