Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: XXX
DOI Seite: 10.11588/diglit.9752#0034
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1822/0034
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
XXX

Vorbericht.

neue Kunsttempel erbaut und den nach gründlicher Bil-
dung strebenden Kunstfreunden auch außer Dresden und
Wien die gründlichsten Vorbereitungen zur Anschauung
der Kunstschätze, die in dem südlichen Europa heimisch
sind, angebotcii werden. Verzeihlich ist die Ungeduld,
mit welcher nach so erfreulichen Verkündigungen nun auch
das kunstliebendc Publikum sowohl in München als Ber-
lin schon jetzt an die noch vcrschloßncn Pforten anzuklop-
fei, anfängt. Begreiflich ist's auch, daß theilnchmcnde
Beschauer des in und um Berlin herum jetzt noch verein-
zelten, (zum Thcii gar noch eingesargtcn) Kunstschatzes
aus einerZuncigung Und Vorliebe für die gute Sache hin-
zutreten und, nicht unkundig der Pcriegese in den Museen
jenseits der Alpen, auch wohl öffentlich ihr Gutachten
über die beste und leichteste Art, die Zeit und Kosten for-
dernde Aufstellung zu fördern, mit der Ueberzeugung ab-
geben, daß, sollte selbst Widerspruch gcrcitzt werden, dieß
doch zu etwas Gutem führen müsse. Ein solcher freilich
nnerbetencr, aber vom edelsten Kunsteifer beseelter Rath-
gcbcr, trat in der von ganz Deutschland geachteten Zeit-
schrift auf, i» welcher der ehrwürdige Altmeister aller
dichtenden und bildenden Kunst in Deutschland, Göthe,
an der Spitze der Wekmarischen Kunstfreunde von Zeit
zri Zeit noch ein gewichtiges Wort zu seinen meist viel
spater geborenen Zeitgenossen spricht. *) Die Ansicht die-
ses wackcrn Mannes scheint vorzüglich durch jenes Wort,
daß das Bessere oft der Feind des Guten und die Lust,
es recht gut machen zu wollen, in Einrichtungen der Art
oft die Mutter eines unerfreulichen und oft Jahre lang
in Geburtswehcn sich abarbeitenden Kindes sey, geleitet,
dahin zu gehen, daß doch fürs erste nur drei Sale mir
dem Erlesensten und bereits zur Anordnung fertig Daste-
henden provisorisch eingerichtet werden möchten. Wohl
möglich, daß ein solches Interim auch wieder durch Er-

*) S. Ucbcr Kunst und Alterthum von Göthe, dritten
Bundes II. Heft S. 173-185. HI.-Heft S. 58-90.
loading ...