Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: XXXI
DOI Seite: 10.11588/diglit.9752#0035
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Vorbericht.

XXXI

kältung des Eifers, vcr hier so vieles allein möglich
macht, und durch unvorhergesehene Störung der Zeit
sehr verderblich werden und dem Unvollendeten und Man-
gelhaften eine unwillkommne Dauer geben kann. Wir
müßten den Verfasser jenes Aufsatzes nie gekannt haben,
wenn wir glauben könnten, daß er nicht selbst die größte
Zufriedenheit über die schnellste und in allen Theilen vol-
lendete Aufstellung im neu crschaffnen Museum, wenn ste
den trefflichen Männern, die jetzt unmittelbar damit be-
auftragt sind, in Jahresfrist gelingt, selbst dann empfin-
den würde, wenn dabet aus guten Gründen seine
eigenen Vorschläge weniger berücksichtigt werden konnten.
Immer wird, was der erfahrne Kunstkenner über Restau-
ration des Verstümmelten und über die mehr oder weni-
ger zu beschränkende Zugänglichkeit und Benutzung der
Kunstsälc bemerkt, große Beherzigung verdienen.

Die in unserm Journale abgedrucktc Uebersicht wird
fürs erste vollkommen hinreichen, nicht nur den ganzen
Bestand, sondern auch die Bedeutung und Wichtigkeit
der vorzüglichsten Denkmäler zu übersehen, da der mit
den Gegenständen längst vertraute Verfasser es nicht
unstatthaft fand, bei ausgezeichneten oder seltnen Wer-
ken selbst in gelehrte Erläuterungen einzugchen. *) Vie-

") Wer freiwillig so vieles dazu legt, darf nicht zur Rechen-
schaft gezogen werden, warum er nicht noch mehr hinlegte. Die jetzige
Uebersicht zeichnet ja nur die ersten Linien zu einem weit ausführli-
cheren Werke. Ich würde, gälte es Fragen, Zusätze, Erläuterungen
schon nach doi liegendem manches mit meinem verehrten Freund zu be-
sprechen finden. Z. B. Warum würdigte er der mit Scharffinn aus-
geschmuckten Erklärung des Hofr. L h i er sch in seiner 2tcn Abhaud-
lung über die Epochen der griechischen Kunst S. 51. f.,
nach welcher der einen am Altar der Ortbia gegeißelten

spartanischen Jüngling vorstellt, gar keiner Erwähnung? Die Stelle
aus Lucian de Gymnas. c. 57. ist doch merkwürdig. Warum nannte
«r die aus den Draudenburgischcn Kunstschätzcn zu uns nach Dresden
gewanderte herrliche Büste sBecker's August. Taf. 35.) nicht Achil-
les? Mir schien dieser Kopf stets ein ans dem Achilles-Ideal in
emen römischen Marö übersetztes Wett und Bestandtheil einer Gruppe
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