Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 8
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die Apotheose des Augustus im kaiserlichen Museum zu
Wien, und der Stein der heiligen Kapelle zu Paris. *)

Dergleichen große Stücke kommen im Einschnitt nie
vor. Denn da tiefgeschnittcne Gemmen die Bestimmung
hatten, als Siegelringe am Finger getragen zu werden;
so durften sie eine hiezu schickliche Größe nicht übersteigen.
Alle Benennungen führen auf diese ursprüngliche Bestimm
mung hin: als haxrvhos, anulus, der Ring, <r(peayigf
sigillum, der Abdruck davon, haxvvkioyXvCpog, anu-
larius, der Steinschneider, haxrvhohqxq, die Gemmen?
sammlung. Plinius (33,4.) sagt: die Griechen bcnannr
ten den Ring nach den Fingern; bei unser» Alten hieß
er unguium, und nachher nannten sowohl die Griechen,
als die unsrigcn denselben Siegel (graeci - anulum a
digitis adpellavere, apud nos prisci unguium voca-
bant; postea et graeci et nostri Symbolum.)

Um einen in Ring gefaßten Kamee zu bezeichnen,
war zu Saxrvkiog das Beiwort dvaykv(pog oder hcrv-
irog nöthig. Seneca (de Benef. 3, 26.) nennt einen
Ringkamee, welcher das Vildniß des Tiberius vorstellte,
imago ectypa mit dem Beisatze: et gemma eminente.
Letzteres scheint eine Glosse zu seyn, welche in den Text
ausgenommen ward. Auch bei Plinius (37,63.) findet
sich der Ausdruck: gemmae, quae aptantur ad scalp-
turas ectypas. Indessen scheinen die Steine, von denen
er dies angicbt, nicht von der Art zu seyn, auf welche
man ein erhabenes Bild schnitt, sondern solche, denen
man eine convexe Form zu geben pflegte, entweder um das
Spiel ihrer Farben mehr geltend zu machen, oder auch

*) Die Vorstellung auf dieser seltenen Tafel von Achat ist nach
den verschiedenen Zeiten verschieden erklärt worden, zuletzt von meinem
Freunde, dem Hofr. Vottiger und von mir. Ein sehr gut gemachter
scharfer Abguß des Steines kam mir zu, woraus ich leicht die vvrge-
stellte» Hauptbildnisse erkennen konnte, und ersah, daß darauf die
Adoption des Nero vvrgestcllt ist (S. Litt. A naleklen von A. F.
Wolf, Heft II.)
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