Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 15
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durch eine leise Handhabung des Meisters sich vor - und
rückwärts neigte, und drittens zugleich eine eben so leichte
Seitenwcndung gestattete. Nur vermittelst einer solchen
Vorrichtung ist mir die Bearbeitung so großer und schwerer
Massen denkbar, welche mit den bloßen Händen des Künst-
lers nicht zu regieren sind. Es wäre eine Aufgabe für
geschickte Mechaniker eine solche Vorrichtung auszudcnken,
und in einem Modelle darzustcllen. *)

*) Ich habe seitdem den Fell einem unserer sinnreichsten Männer
im mechanischen Fache vorgelegt. Cr ist der Meinung, daß die Be-
arbeitung größerer Gcmmenstücke nach meiner hier vorgetragcnen
Idee allerdings statt finden könnte, und die Angabe der Maschine
hiezu böte keine Schwierigkeit dar. Er meint jedow nicht, daß dies
die Weise der Alten war, sondern daß sich hiefür eine viel tauglichere
und einfachere Vorrichtung angeben lasse. Er meint nämlich: daß die
Spindel, welche durch das Rad getrieben wird, in einen Cylindcr
eingcschlossen, und a» ihrem hintern Theil in einer Nuß laufend, fiir
de» Zweck viel passender seyn würde. Leicht würde die Hand des
Künstlers, welche den Cylindcr, in dem die Spindel sich drehet,
gefaßt hält, jede Art von Bewegung und von Wendung damit machen
können, um mit dem Rädchen oder der Spitze auf der horizontal
vor den Augen des Künstlers liegenden Oberfläche des Steines nach
Belieben zu arbeiten. Auch gewinne der Künstler hiedurch den Vor-
tbeil, viel deutlicher zu sehen, was er arbeitet, als wenn er gleichsam
seitwärts zu sehen hat. Diese hier mit wenigen Worten angedentcte
Maschine, der noch die Einrichtung bcigcfügt wird, sie nach jeder
beliebigen Richtung zu stellen, scheint mir in ihrer Einfachheit so
sinnreich, daß ich nicht zweifle, es scy ein Instrument dieser Art,
dessen sich die Alten bei der Bearbeitung so großer Steine bedienten,
und vielleicht auch bei der Arbeit der kleinern Ringgcmmen. Hicmit
wäre aber nicht nur dieses, sondern auch ein viel bedeutenderes Räth-
sel gelößt. Bekannt ist es, wie scharf, und genau die Figuren und
Hieroglyphen auf den Obelisken, und andern Massen von Granit
durch die Aegypter gearbeitet sind, und daß bis jetzt alle Versuche der
Neuern vergeblich waren, de» Granit auf ähnliche Weise zu bearbeiten.
Aber mit einer solchen Maschine, mit welcher man auch die härtesten
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