Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 24
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scits der Stil des Gepräges, andrerseits deutet Hcrodot
(3, 56.) an, daß schon der Tyrann Polycrates von Samos
die Spartaner auf ähnliche Weise betrog; wenn man anders
die Stelle nicht so verstehen will, daß das Blei, woraus
der Kern der Münzen bestand, bloß vergoldet gewesen sey
(Siebe Eckhel I. proleg. c. 12. u. c. 19. cf. Barthele^
my mein, de litterature tom. XXIV. p. 30 ).

,§. 6. Die Bestimmung der Münzen, das istr der un-
ter gesetzlicher Aufsicht geprägten Metalle, war, sie als
Geld (pretium) für jede Art Waarc (rnerx) im Handel
und Wandel zu gebrauchen. Natürlich hatten die verschie-
denen Metalle, als Dinge, die im menschlichen Leben von
vielfachem Gebrauch sind, lange vor ihrer Ausprägung in
der Meinung der Völker einen verhältnißmäßigen Werth zu
andern Waaren. Aber sie wurden als Waare bloß gegen
andere Waare ausgetauscht, bis die Erfahrung lehrte, daß
wegen der großen Theilbarkeit und Dauer der Metalle cs ‘
unter allen Stoffen keinen gebe, der geschickter wäre, in
dem Umtausche einer Waare gegen die andere den Ueberschuß
■— das Mehr oder Weniger — auszugleichcn. Die einzige
Unbequemlichkeit dabei war, daß bei jedem größer» oder
kleinern Handel der Probierstein und die Wage zur Hand
feyn mußte, um sich nebst der Qualität des Mctalles zu-
gleich des Gewichtes zu versichern. Diesem Uebelstand ward
dadurch abgcholfen, daß die oberste Gewalt cs über sich
nahm, den Metallen unter gesetzlichem Ansehen ein Gepräge
aufzudrucken, welches den Handelnden bestimmtes Gewicht
und innere Güte des Metalles zusichcrte. Dergestalt wurden
die gestempelten Metalle Geld, das ist: sie singen an, den
Werrh jeder andern Waare darzustellen.

Diese Erfindung, ohne Zweifel eine der wohlthatigstcn
für die Menschheit, geschah ihrer Natur gemäß nur allmäh-
lich. Daher ist kein Wunder, wenn sie sich im Dunkel der
Vorzeit verliert, oder wenn die Sage mehrere als Erfinder
preiset. Nach einigen war es Saturn, nach andern die
Lydier; einige nennen den Erichthoniuö, andere die Naxter;
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