Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 25
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andere die Aegineten und wieder andere den Phidon von
Argos.

Allein gewiß ist cs, daß Homer die Metalle als
Geld noch nicht kannte. Auch ist keine Spur vorhanden,
daß andere Völker um dieselbe Zeit Kcnntniß und Ge-
brauch davon gehabt hatten. Die ältesten auf uns ge-
kommenen Münzen sind die griechischen; und diese über-
steigen zuverlässig nicht den Anfang der Olympiaden.
Denn die Münzen, auf denen die roheste Zeichnung, die
ältesten Schriftzüge, und der unbeholfenste Mechanism in
der Prägckunst verkommt, sind hauptsächlich von solchen
Städten, die erst nach dem Anfänge der Olympiaden ge-
gründet wurden. Hiezu gehören die Kolonien in Groß-
gricchenland und Sizilien, als Sybaris, Croton, Rhc-
gium, Paestum, Zancle, Naxos, Syracus u. s. w.

Näheres läßt sich hierüber historisch schwer bestim-
men. Nur wissen wir, daß das geprägte Geld in den
Zeiten Solon'ö (um die 5oste Ol.) nicht mehr selten scyn
konnte. Denn unter den Solonischen Gesetzen findet sich
eines, welches die Todesstrafe über die Falschmünzer ver-
hängt (Demosth. Orat. in Timocrat. p. goZ.). Indes-
sen hat es wenig Wahrscheinlichkeit, daß die Ausprägung
des Geldes viel früher geschah. Den Beweis nehme ich
von dem Umstande her, daß Demaratus, der in den ersten
Dreißiger Olympiaden von Corinth in Hetrurien cinwan-
derte, und in dessen Gefolge mehrere Künstler, Plastiker
sowohl als Mahler, waren, die so allgemein nützliche Erfin-
dung des Münzprägcns nicht mitbrachte. Auch unter seinem
Sohne, dem römischen Könige Tarquinius, kannte man in
Rom das Geld noch nicht. Erst unter seinem Nachfolger
Servius Tullius wurde das Erz zu Geld gestempelt (klin.
33, 13.). Wahrscheinlich lernte dieser König die nützliche
Erfindung durch den Verkehr mit den benachbarten griechi-
schen Cvlonien in Unteritalien und Sizilien kennen. — Scr-
vius Tullius, der im Jahr 176 von Rom zur Regierung
kam, welches dem vierten Jahre der Zvstcn Olympiade ent-
spricht, war der jüngere Zeitgenosse Solon's.
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