Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 26
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Mehr als vorstehendes über die Münzkunde der Alten
beizubringen, liegt hier nicht in unserm Plan.

Am Schlüsse dieser Uebersicht von den verschiedenen
Zweigen der bildenden Künste bei den Griechen und den Be-
wohnern des mittler» Italiens in Beziehung auf das Mate-
rial, die Technik und den Ursprung derselben sey es mir
erlaubt, auf folgende Ergebnisse, besonders in letzterer Rück-
sicht, aufmerksam zu machen.

1. Wenn cs uns nicht gelungen ist, einen Kunstzustand
bei den griechischen Völkern vor der Z osten Olympiade an-
zunehmen, und wir durch eine gesunde Kritik dahin geleitet
wurden, die Anfänge der Kunst erst nach dieser Zeit anzu-
sctzcn; so will man dadurch nicht in Abrede seyn, daß nicht
da und dort hölzerne Bilder, mit natürlichen Stoffen be-
kleidet, schon früher ausgestellt seyn mochten. Aber dies
waren nicht Werke der Kunst, sondern Schnitzereien, wie
man dergleichen heute noch bei jedem barbarischen Volke fin-
det. Eben so konnte auch manches Vollkominene und in
andern Stoffen Gearbeitete von fremden Ansiedlern und
durch den Handelsverkehr eingeführt seyn.

2. Dagegen muß cs jedem Nachdenkenden auffallen,
daß da, wo kurze Zeit zuvor nur Dunkel und Nacht vor
uns lag, wir auf einmal nach der Zossen Olymp, nicht
etwa bloß einen Zweig, sondern alle Zweige der Kunst
an's Licht — wie auf einen Zauberschlag — hervortreten
sehen: und dies nicht bloß auf einem Punkte, sondern
überall, wo di« viclgetheilten Griechen und ihre italischen
Anwohner leben. Dabei werden uns solche Werke als An-
fänge von roher unbeholfener Technik und von geringer Kennt-
niß der Zeichnung beschrieben, wovon uns die Ueberreste fass
in jedem Kunstzweige noch die anschauliche Uebcrzeugung ge-
ben. Von Cypsclus an bis auf Pisissratus, Crösus und
Polycratcs machte man eher Versuche in der Kunst, als
Kunstwerke. Aber in dieser Zeit ward der Grund zu ferneren
Entwicklungen gelegt. In dem Zeitalter der sieben Weisen,
wo das Wissenschaftliche beginnt, entsteht auch ein mächtige-
res Aufstreben nach der Kunst. Einen Kunstzustand ohne
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