Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 27
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wissenschaftliche Bildung annchmen, heißt die Natur der
Kunst und der Technik verkennen. Wissenschaft und Kunst
sind bei jedem Volke unzertrennliche Gefährten.

Mehr hier beizufügen, würde vor der Zeit ftyn. Es
bleiben uns noch zwei Aufsätze zu publiziren übrig, welche
uns erst gehörig ermächtigen werden, die angedeuteten Er-
gebnisse bestimmter und anschaulicher vor die Augen derjeni-
gen zu bringen, welche mit mir gleiche Liebe für solche kriti-
sche Forschungen haben.

Siebenter Abschnitt.

Haben die Griechen die Kunst aus sich selbst geschöpft,
oder von andern Völkern erlernt?-

Geschrieben den 5. Jun. 1807. Vorgelesen den 2. Febr. igog.

tz. 1. In einer Reihe von Aufsätzen habe ich über das
Material, die Technik und den Ursprung der Kunst und der
verschiedenen Kunstzweige bei den Griechen und den mit ihnen
verwandten Völkern, den Hetruskern und Römern, gespro-
chen. Das Ergebniß war, daß wir einen Kunstzustand vor
der Zosten Olympiade nicht annehmen konnten, daß aber
bald nach dieser Zeit alle Kunstzweige erschienen, aber bis
gegen die 6osie Olympiade immer in einem Zustande von
Kindheit verblieben.

Hiemit kann sich aber die Neugierde des Forschers
nicht beruhigen. Die natürliche Frage dringt sich auf:
„Haben die Griechen die Kunst aus sich selbst geschöpft,
oder von andern Völkern erlernt?" —

Die Beantwortung dieser Frage setzet aber die Auf-
lösung von zwei andern voraus; erstlich: „Welche Völker
trieben die Kunst vor den Griechen, und wie weit waren
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