Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 30
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fällt der Wunderbau des Labyrinths, und unter Psam-
metichus und seinen Nachfolgern waren Memphis und
Sais der Gegenstand vielfacher Verschönerung.

Bis auf Cambyses war Aegypten selbstständig, blü-
hend, und ohne Unterlaß bemüht, das Land durch große
Denkmale zu verherrlichen. Dieser persische Eroberer gab
Aegypten den ersten Stoß; und obwohl die Zerstörung
und Raubsucht, die man ihm zuschreibt, in mancher Rück-
sicht übertrieben seyn mag, so scheinen doch jene Denkmale,
welche aus kostbarem Material, als Gold, Silber und Erz
bestanden, besonders ausgesetzt gewesen zu seyn. Denn wir
finden bei den griechischen Reisenden über solche, als noch
vorhanden, keine Nachrichten, wohl aber Andeutungen, daß
früher die Zahl davon nicht unbeträchtlich war.

Nach diesem Ueberblick betrachten wir die verschiedenen
Zweige der ägyptischen Kunst einzeln, um über das Mate-
rial, die Technik, und die Stufe, worauf die Kunst stand,
das Nähere zu bestimmen.

«. Die Plastik.

Von plastischen Werken der Aegypter haben wir wenig
Nachrichten. In gebranntem Thone kommen indessen noch
verschiedentlich in den Sammlungen, wie in der des Cardi-
nals Borgia, kleine Idole vor, und nicht selten sind die
kleinen Figuren in Porzellan mit einer dünnen grünlichen
oder bläulichen Glasur.

Des Gipses bedienten sich die Aegypter häufig zum
Uebcrzugc der Mumien und ihrer Masken, worauf Ma-
lereien und andere Zierden angebracht wurden. Ob sie an-
dern plastischen Gebrauch hievon machten, wird nicht ange-
geben , eben so wenig als vom Wachse. Ueber die Anwen-
dung des Mehlteiges zu plastischen Arbeiten laßt Herodot
(2, 47.) keinen Zweifel. Das Volk, welches zu arm war,
um der Luna und dem Bacchus wirkliche Schweine zu opfern,
bildete solche in Teig, buck und opferte sie anstatt der wirk-
lichen. Wahrscheinlich hatten sie besondere Formen hiezu,
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