Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 35
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Hieraus geht hervor, daß das Israelitische Volk in
zwei seiner Perioden die Kunst kannte; erstlich früher da es
als Kolonie von Aegypten auszog, und später als Salomon
die tyrischen Künstler zu sich rief.

III. Die Phönizier.

§. 4. Die Phönizier zeichnen sich in der Weltgeschichte
schon früh durch eine hohe Kultur aus. Durch Schiffahrt,
Handel, Kolonien und Secräuberei verbreiten sie sich an allen
Küsten des Mittelmeeres. Aber da feine besondere Geschichte
dieses Volkes auf uns gekommen ist, wissen wir wenig von
seinen Kunstwerken und Denkmälern. Selbst die Münzen
mit Phönizischer Schrift zeigen den griechischen Kunstcharak-
ter, und sind später, als die Zeit, die bei unserer Forschung
in Betracht kommt.

Uebrigens erweisen die Werke, welche die tyrischen
Künstler für Salomon verfertigten, keine gemeine Kunstfertig-
keit. Sie verstanden das Bildschnitzcn in Holz, das Treiben
in Gold, und das Gießen in Metall. Hiemit vergleiche
man auch die beredten Stellen in Ezechiel (26 — 25.), wo
der Prophet von dem Untergange der durch Pracht und Reich-
thum berühmten Stadt Tyrus spricht, und wobei er unter
anderm auch der Statuen, der reichen und künstlich gewirk-
ten Gewände, und der Gemmen gedenkt, und darunter den
Sarder, Topaz, Jaspis, Chrysolith, Onyx, Beryll,
Sapphir, Carbunkel und Smaragd nahmhaft machet. Hie-
mit übereinstimmend finden sich auch mehrere Stellen in dem
profanen Dichter- Paris, als er die Helena entführend
nach Sidon verlchlagcn ward, brachte phönizische Mädchen
mit sich nach Troja, welche vielfarbige Gewände wirkten
(II. 6, 2g8- ot- Herod. 2, 116.). Ferner schenkt
Menclaus an Telemach einen künstlich in Silber gearbeiteten
Krater, ein Werk Vulcan's, welchen jener von dem Könige
Phädimus in Sidon zum Geschenk erhalten hatte (Od. 15.
USO.
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