Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 36
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IV. Die Babylonier.

§. Z. Was uns Divdor (2, 1— 11.) nach Ctcsias
von dem hohen Alter und der frühen Kunstkultur der Affyrcr
und Babylonier sagt, halten wir billig für Fabel. Durch
denselben Divdor (i, 23.) erhalten wir aber auch die Nach-
richt, daß die Babylonier durch ägyptische Pflanzvolker
civilisirt wurden, und die Chaldäer von ägyptischen Priestern
stammten. Hiemit übereinstimmend sagt auch Herodot (l,
182.), daß der Beluödienst zu Babylon eine auffallende
Achnlichkeit mit dem des Amun zu Theba habe. Ueberhaupt
stimmen die Nachrichten von Herodot viel besser zu dem Gan-
zen der Kulturgeschichte des Orients, als die, welche wir
von Ctcsias haben. Nach jenem (Herorl 1, 134 ) lebten
die beiden Königinnen, Scmiramis und Nitocrie, unter
denen Babylon hauptsächlich seine Größe und Verschönerung
erhielt, nur fünf Menschenalter (ungefähr r 60 Jahre) von
einander. Nitocris war aber die Mutter des Königes,
welchen Cyrus der Große voin Throne stieß, folglich die Frau,
oder Tochter des großen Nabuchodonosor, welcher nach Bcrv-
suö (Jos. Flav. contra Apion. lib. 1. c. 6.) — also überein-
stimmend mit Herodot — nach seinen Siegen über Palästina,
Tyrus und einen Theil von Aegypten die Stadt Babylon
erweiterte und verherrlichte, unter andern auch mit den Han-
genden Garten eben aus Liebe zu seiner Gemahlin. Zahlt
man nun von der Nitocris 160 Jahre rückwärts, so findet
sich, daß Semiramis um den Anfang der Olympiaden den
Thron inne hatte, und wahrscheinlich die Gemahlin des
Phul war, welcher dem Könige von Israel Mcnahem einen
Tribut von tausend Talenten Silbers auferlegte.

Auf solche Weise laßt sich auch das Befremden Stra-
bo's (15, p- 735*) erklären, welcher angiebt: Homer be-
merke so manches von Aegypten und Theba, von Phöni-
zien und Sidon, und ließe nicht verspüren, daß er irgend
eine Kenntniß von NinuS, Babylon und Ecbatana gehabt
habe. Die Sache war natürlich: diese Städte waren
zum Theil noch gar nicht, oder erst im Anfang ihrer
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