Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 40
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schwadern ihre Raubzüge machten; denn sie überfielen
nicht bloß die Schwachcrn in der See, sondern sie mach-
ten auch Landungen, alles von den Küsten entführend, dessen
sie sich in Eile bemeistern konnten.

Ein solcher Haufen carischer und jonischer Seeräuber
war es, der an den Küsten von Aegypten erschien, und
sich mit dem in den Sümpfen verwiesenen Könige Psam-
merichus verständigend, ihm den Sieg über seine eilf
Mitkönige erfechten half. Ihr Lohn war die Aufnahme
in die Kaste der Krieger, und ihre Ansiedelung an einem
der Arme des Nils, nebst dem freien Handelsverkehr ihrer
Landsleute mit Aegypten. Unter den fünf nachfolgenden,
noch einheimischen, Königen genossen die Griechen dieselbe
Freiheit. In dem Heer des Aprics gegen Amasis stritten
nicht weniger als 35 tausend griechische Söldner. Amasis
als Sieger schützte nichts desto weniger die Griechen; er
nahm selbst einen Trupp derselben zur Leibwache, und
räumte den Handelsleuten zum allgemeinen Stapelplatz die
Stadt Naucratis ein, zugleich mit der Erlaubniß, auch
in dem übrigen Aegypten den Handel zu treiben. Ferner
ward ihnen vergönnt, an gewissen Orten für ihre vaterländi-
schen Götter Altäre und Heiligthümer zu errichten. Die
Aegineten, die Samier und Milesier bauten den Schutz-
gottheitcn ihres Vaterlandes besondere Tempel, aber vor
allen andern zeichnete sich der sogenannte hellenische aus,
welchen die Griechen, hauptsächlich die asiatischen, auf
gemeinsame Kosten errichtet hatten. So geschah es, daß
unter den Völkern, welche eine von der ägyptischen ver-
schiedene Sprache redeten, die Griechen die ersten waren,
welche freien Verkehr in dem Lande hatten; und von
Psammetichus an, sagt Herodot (2, 154.), dessen Erzäh-
lung wir hier hauptsächlich folgen, blieb den Griechen
von dem, was in Aegypten vorging, nichts unbekannt.

Wie sehr die Griechen die Erlaubniß in Aegypten zu
verkehren benutzten, zeiget die ganze Zeitgeschichte. Nicht
bloß griechische Söldner und Kauflcute wandern dahin;
sondern auch Männer, wie Thales, Clcobulus, Solon,
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