Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 52
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Achter Abschnitt.

Die Nachrichten von Kunstwerken, welche bei Homer ver-
kommen, erweisen keine Kunstkulkur bei den Griechen.
Als Nachtrag zu meinen Aufsätzen über den Ursprung
des Kunsttriebes bei den Griechen.

Geschrieben den 28. 2»». 1807. Vvrgelesen den 29. Sept. i8os.

§. 1.

In einer Folge von Aufsätzen über die Mahlerei und
über die verschiedenen Zweige der Bildkunst habe ich zu
erweisen gesucht, daß der Kunstbetrieb bei den Griechen
erst nach der Zvsten Ol. im Zeitalter des Cypselus, und
merklicher in dem der sieben Weisen zwischen der 4osten
und 6osten Ol. Eingang fand. Auch zeigte ich in einem
besondern Aufsatze, daß dieser wichtige Zeitpunkt gerade in
das Alter fällt, wo unter Psammetichus und seinen Nachfol-
gern bis auf Cambyses Aegypten, das bis dahin den Seefah-
rern verschlossen war, den Griechen zum freien Verkehr geöffnet
ward- Die Niederlassungen und Faktoreien in einem bereits
hoch kultivirten Lande weckten den Geist der Wissenschaft und
der Kunst unter den Griechen; und seit dieser Zeit waren sie
bemüht, die ägyptische Kultur nach dem Mutterlande, und
zwar nach allen Gegenden des vielgctheilten Gricchenlandes,
und gleichsam auf einmal zu verpflanzen.

Gegen diese meine Behauptungen schien sich zwar man-
ches zu sträuben, wodurch die Forscher, welche vor mir über
diese Gegenstände nachdachten und schrieben, veranlaßt wur-
den , gerade entgegengesetzte Ergebnisse aufzustellen. Theils
eigneten sie der Kunstkultur bei den Griechen einen Ursprung
zu, der hoch hinauf in bas mythische Zeitalter sich verliert,
theils meinten sie, daß die Griechen den Fremden in Hinsicht
der Künste auch nicht das Mindeste zu danken hätten. Nicht
bloß spätere Mythographen und Geschichtschreiber, welche aus
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