Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 53
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den Sagen der Dichter schöpften, verleiteten die Forscher zn
solchen gehaltlosen Behauptungen, sondern auch und vorzüg-
lich die Nachrichten von Kunstarbeiten, welche in den Home-
rischen und Hesiodischen Gedichten Vorkommen.

Es ist allerdings keinem Zweifel unterworfen, daß
manche Stellen bei Homer Vorkommen, welche (und dies
gilt auch von dem Schild des Hercules, was man dem Hesio-
dus zuschreibt) deutlich zeigen, daß der Dichter bereits
Kunstwerke vor sich haben mußte, denn ohne dies wäre es
nicht denkbar, daß er auf solche Weise, wie es geschah, da/
von hatte sprechen können.

§.2. Ich begnügte mich in meinen vorigen Vortra-
gen, diese befremdenden, und mit der Kulturgeschichte der
Griechen im Widerspruch stehenden Erscheinungen kurzweg
dahin zu deuten, daß entweder jene Dichter, scy cs auf
Selbstrcisen, sey cs durch Fremde, welche die griechischen
Küsten besuchten, Kunstwerke anderer Völker sahen, oder
aber daß die Stellen, welche in den Gedichten des Homerus
und Hesiodus von Kunstwerken sprechen, spatere Einschiebsel
solcher seyn müßten, welche die Gedichte im Zeitalter des So-
lon und Pisistratus sammelten und zu einem Ganzen ord-
neten. Nur durch die Annahme des einen oder des andern,
schien mir, könne Zusammenhang und Uebcreinsirmmung in
die altere Kulturgeschichte der Griechen kommen.

Indessen möchten sich die Forscher mit einer bloßen Aus-
sage nicht befriedigen. Sollen die weitern Fragen und
Zweifel aufhören, so müßte aus Homer selbst gezeigt werden,
daß eine solche Annahme nicht ohne vorläufige Prüfung ge-
schah. Gegenwärtig werde ich meine nähern Ansichten und
Gründe darüber eröffnen.

tz. 3. Die Frage: ob die Stellen, worin Homer von
Kunstwerken spricht, spatere Einschiebsel seyn könnten? —
lasse ich ganz auf sich beruhen. Ich nehme jede derselben ohne
Ausnahme als ächt an, obwohl mir nicht unbekannt ist, daß
es an Zweiflern hieran nicht fehlt. Heyne (Hom. t. VII.
P 590.) setzet den Schild des Achilles in das Zeitalter
Solon's herab, und zwar nicht ohne Gründe. Eben so
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