Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 55
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Lallen, als Gold und Silber, nicht gegossene, sondern mit
dem Hammer getriebene Bildwerke.

Die Gewände werden Heils bloß als bunt oder vielfar-
big ohne Bezeichnung irgend eines Gegenstandes (II. 5. 735.
6,289, 8,385- 14'179- Od. 15,105.), Heils mit Blu-
men (II- 22, 44l.), thcils mit Thaten der Trojer und Grie-
chen (II. 3,126.) und mit Gruppen von Thieren, wie auf
dem Gewände des Odysseus (0ä. 19, 227.) beschrieben-

Die Kunstwerke in Metall sind Heils, wie es scheint,
runde Bildwerke, wie die goldnen und silbernen Hunde, und
die goldenen fackeltragenden Jünglinge im Hause des Alkinous
(0ä. 7,91 — 100.), Heils mit Blumcnwcrk gezierte Gefäße
(Od. 3,440. II. 23,88.5.)/ Heils figürlich verzierte Becher,
wie der des Nestor mit den Tauben (II. 11,631.),-,Heils
künstlich gearbeitete Gefäße ohne bestimmte Gegenstände (II.
23,741. Od. 5,5x4. und 15,115.), Heils Harnische und
Schilde, wahrscheinlich mit eingelegter Arbeit, wie der Har-
nisch und der Schild des Agamemnon (II. 11, 20.) und der
Schild des Achilles (Ii. 18/ 478-).

Solche mannigfach künstliche Werke setzen allerdings
einen bedeutenden Kunstzustand bei irgend einem Volke des
Homerischen Zeitalters voraus, wovon der beschreibende
Dichter, wenn nicht die Ansicht, doch genaue Kunde haben
mußte. Daß aber dieses kunsttreibende Volk damals nicht
die Griechen selbst seyn konnten, wird jeder leicht einsehen,
der folgende Gründe näher erwägt.

§. 5. Es muß mit Recht befremden, daß der Dichter
nur von zweierlei Arten von Kunstwerken spricht, und zwar
gerade von solchen, welche die schwierigste Technik erfor-
dern. Gewände, welche mit bildlichen Gegenständen durch-
wirkt oder gestickt sind, setzen die Kunst des Zeichnens und
Kolvrirens voraus, und das Treiben in den Metallen erheischt
das Modelliren in Thon, und das Schneiden der Formen in
Holz. All dies kann aber nur durch einen langen und viel-
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