Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 61
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Aegypten bringen Mimelaus und Helena viele Schätze,
besonders Gefäße von Gold und Silber (06. 4. gz. und
125 — izZ. ). Ein großer Kunstreichthum in Aegypten
ergiebt sich auch aus der Lügenerzählung des Ulysses gegen
Eumäus (06. 14, 2580, welche er dann gegen die Freier
der Penelope wiederholt (06. 17, 426.).

Aus Cypern schickt der König Cinyras an Agamemnon
den kunstgezierten Harnisch als Gastgeschenk (II. 11,20.).
Daß ein anderer Gebieter von Cyprus von den Aegyptern
als Gastfreund behandelt war, geht gleichfalls ans der
wiederholten Lüge des Ulysses hervor.

Von Phönizien und Sidon ist in Homer oft die
Rede. Als Paris von Sparta nach Sidon verschlagen
wird, nimmt er von dort Mädchen mit sich, welche
dann in Troja den künstlichen Schleier, den die Frauen
der Minerva weihen, wirken (II. 6, Z03.). Phönizische
Schiffer, welche die griechischen Küsten befuhren, schenken
dem Thoas in Lemnos den unübertrcffbar schönen Krater
von Silber, das Werk der erfindungsreichen Sidonier,
welchen dann Achilles als Kampfpreiß aussetzet (II. 23,
741.). Menelaus rühmt sich, die Schätze, von denen
sein Haus prangte, aus Aegypten, Phönizien, und Cyprus
hcrzuhaben, und schenkt an Telemach den kunstreichen Kra-
tcr, ein Werk Vulkan's, den er selbst als Gastgeschenk
von dem Sidonier König Phädimus erhalten hatte (06.
4, 414-)« Als schlaue Schiffer, die besonders Seeräube-
rei trieben, kommen die Phönizier in andern Stellen vor
06. 14, 288- *5, 414-).

Wir haben also nicht vonnöthen, die Bibel und die
Nachrichten späterer Griechen nachzuschlagen, um uns von
der Kunstkultur der Aegyptcr und Phönizier im Zeitalter
Homer's zu überzeugen. Der Dichter weiset uns hinrei-
chend selbst darauf hin. Auf gleiche Weise sehen wir,
daß eine Art von Verkehr zwischen diesen Kunstländcrn
und den Griechen vorhanden war, obwohl nicht anhaltend
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