Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 68
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Wichtigsten begnügen, und auf Anderes bei der Erklärung
verweisen.

2. Aus dem, was Herr v. Hammer in den voraus-
geschickten Versen dem Vendidad der Zendbücher mit mehr
oder weniger Freiheit nachgedichtet hat, ersteht man, daß
sich Zoroastcrs V o r st e l l u n g von der Gottheit
nicht bis zu der Höhe der mosaischen erhob, der zufolge
(Ps. XC.) ein einiger Urheber des Alls, wie ihn die
reine, Einheit des höchsten Wesens bedingende, Vernunft
verlangt, von Ewigkeit zu Ewigkeit ist, sondern unfähig,
das Böse in der Welt durch eine Ausartung der mit
Willensfreiheit begabten Geschöpfe zu erklären, (vcrgl. Xe-
noph. Cyrop. VI, 1,41.) auf eine Zweiheit gleich wirk-
samer Wesen verfiel, deren eines als der Urheber alles
Guten, wie das andere als der Urheber alles Bösen ge-
dacht ward. Jenes hieß in der Zcndsprache (S. Klenker's
Zend-Avesta Th. I. S.go. Anm. § und h) E hör ehe
mezdao (in Parst Rhoda saani salar) d. h. großer
Allherrscher, dieses E n g h r e h e meenieosch,
(in Pehlevi ghena madunad) d. h. im Laster versunken,
welche beide Namen allmahlig zu Ormuzd und Ahri-
man abgekürzt wurden. Zoroaster entsprach jedoch den
Foderungen der reinen Vernunft in so fern, daß er seine
beiden höchsten Wesen aus einem einzigen Urwesen entste-
hen ließ, welches er Zeruane akerene d. h. die
ungeschaffene, anbeginnlose Zeit nannte; nur gab er damit
die Möglichkeit mehrer geschaffener oder erzeugter göttlicher
Wesen zu, so wie der Sinese Lavkiun sagte: „Eao, die
Vernunft, hat Eins hervorgebracht; Eins hat Zwei, Zwei
hat Drei, und Drei hat Alles hervorgebracht." Zwar
vermied er die grobe Vorstellung der Griechen und ande-
rer Völker, welche die Materie als Urquell des Bösen
sich gleich ewig dachte, wie den Geist, der sie gestaltete,
und welche endlich darauf führte, daß man vor dem
weltherrschenden Zeus nicht nur den Kronos mit der Rhea
oder den Zeitenstrom, sondern auch den Himmel und die
Erde setzte, welche sich nach phönikisch-ägyptischer Lehre
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