Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 69
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aus dem Chaos oder der Urnacht durch die Wirkung der
Liebe oder eines belebenden Principes entwickelten; allein
er wandelte doch gleich den Indiern, welche die Entwicke-
lung einer Dreiheit von Göttern aus dem Ewigen oder
Brahma lehrten, durch die Annahme einer Göttermutter
die reine Gotteslchre in eine wahre Gvtterlchre um.

3. Mit der Annahme mehrer Götter war zugleich die
Unterscheidung derselben durch besondere Merkmahle gege-
ben , deren bildliche Bezeichnung in der Sprache auch den
Weg zu einer bildlichen Darstellung auf Kunstwerken bahnte.
Man hat zwar behaupten-wollen, daß den Persern eben
so, wie den Deutschen, alle bildlichen Darstellungen ihrer
Götter verboten gewesen scycn; allein daß das Verbot
einer Bilderanbetung die Abbildungen der Götter
auf Kunstwerken nicht ausschloß, bedarf nun wohl
keines Beweises mehr, oder würde, wenn es noch eines
Beweises bedürfte, schon durch dasjenige widerlegt wer-
den , was ich in diesen Beitragen nach und nach mitzu-
theilcn gedenke. Haben selbst die Christen, die sich doch
der reinsten Gottcslchre rühmen, ihre drei Personen in
der Gottheit in ganz verschiedenen Gestalten bildlich dar-
gestellt, so laßt sich dieses noch weit mehr von den Per-
sern vcrmuthcn, die ihre Götter nicht nur als menschliche
Gestalten, sonder» auch als Vögel oder andere Thierge-
stalten schilderten, und wenn Rhode in seiner heiligen Sage
und dem gesummtenReligionssysteme des Zcndvolkes S.483 f.,
wo. er zeigt, daß die Perser kcincsweges Feinde von Bild-
göttlicher Wesen überhaupt, sondern nur von der
thorichten Anbetung und Verehrung derselben gewesen seyen,
unter den göttlichen Wesen, welche die Verfasser der Zend-
schriften als menschlich gestaltet schildern, die ungcschaffcnc
Zeit allein ausnimmt, so folgt daraus noch nicht, daß
sic gar nicht bildlich öargestellt sey. Auch glaubt Rhode
selbst eine symbolische Abbildung derselben in einer bildli-
chen Darstellung zu finden, welche auf den altpersischen
Denkmahlern der Achamenidcn verschiedentlich wiederholt
worden, und schon so vielfach abgezcichnct und gedeutet

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