Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 81
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»4. Wir sehen hier den König in eurer betenden Stellung
auf den heiligen Stufen des von den Unterthanen getragenen,
und von den Großen des Reiches einerseits und von den
Truppen andrerseits umgebenen Gerüstes vor den über dem
Feuer-Altäre schwebenden Bildern Ormuzd's und der Sonne.
Der König selbst ist durch den Bogen in seiner Hand als
ein Kejanide oder Achamenide bezeichnet, wenn man den von
Crcuzer in seiner neuesten Ausgabe der Symbolik und Mytho-
logie I. Th. S. 674, angeführten Schriftstellern trauen darf,
nach welcher diese vorzüglich Männer des Bogens
heißen. Unter ihnen soll, wie nach Creuzcr's Anmerkung die
Sage rühmt, die Kunst der Bogen und des Vogenspanncns
aufs Höchste gebracht worden scyn, daher Ke man, Kai-
a n i, noch heut zu Tage ein starker Bogen heiße. Wie nach
Crcuzer's Bemerkung Herbclot angicbt, war bei den Mogo-
len der Bogen ein Zeichen des Königes oder Herrschers,
wie der Pfeil das Zeichen eines Befehlshabers oder Vice-
königes: und daß das Symbol des Bogens bei den alten
Perserkönigen dieselbe Bedeutung gehabt habe, beweiset Creu-
zcr unter Anderem aus der eben erläuterten Abbildung, die
er auch auf seiner Z2stcn Tafel nach Chardin's Tab. 67.
oder vielmehr nach Höck's Nachstiche (Vet. med. et Pers.
Mon. Tab. I.) im Steindrucke liefert. Nach Ktesias Er-
zählung (Excerpt. Pers. c. 17.) schickte Darms und die
Skythen, welche jener bekriegte, sich gegenseitig Dogen zu,
und crstercr zog sich zurück, als er den Bogen der Skythen
stärker fand. Damit vergleicht Creuzer auch Herodot HI, 21 f.,
wo der äthiopische König dem Kambyses als Gegengeschenk
einen Bogen zuschickt, mit der Erklärung, wenn die Perser
einen Vogen von solcher Größe leicht spannen könnten, dann
sollte er gegen die Aethiopier zu Felde ziehen. Aber die
Pfeile, welche bei Herodot IV, igi.f. unter den Geschenken
der Skythen an Darius erwähnt werden, gaben den Persern
Stoff zu verschiedenen Deutungen. Doch gaben, wie ich
glaube, Bogen und Pfeil, wobei nach Creuzer an Sonne und
Sonnenstrahl als ersten Anlaß gedacht werden muß, die
Srundzüge zu der Keilschrift; auch soll schon Sardanapal
Amalkh. II. 6
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