Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 94
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daß im Mansfeldischen die Urnen mit der in Schlesien ge-
wöhnlichen Zeichnung und mit Buckeln in der Ordnung des
(^uincunx gestellt waren. Daß aber der Quincußx, wie
die Zickzacks - Verzierung, auch in Gallien nicht ungewöhn-
lich war, beweisen die Verzierungen zweier Schalen aus der
Gegend von Nismes, welche ich aus Caylus Rec. T. II.
Pi. CI. Nr. IV. unter Fig. i0. zusammengestellt habe.
Die Bedeutsamkeit der Fünfzahl erkennt man auch aus der
Beschreibung des italischen Labyrinthes, welches der etruski-
sche König Porsenna zu seinem Grabmahle bestimmte, bei
Plin. H. N. XXXVI, 19, 4. ed. Bip.

26. Daß sich die germanischen Urnenverzierungen auf
die Verehrung der Göttermutter bezogen, beweisen die Ver-
zierungen dreier Urnen, welche Dvrow in der Gegend von
Wiesbaden ausgcgraben, und so wie Fig. u —13. zei-
gen , auf der ersten Tafel seiner Opferstätte und Grabhügel
der Germanen am Rheine abgebildet hat. Wenigstens wei-
sen die Tannzapfen in Fig. iz. ziemlich bestimmt auf
die phrygische Kybele hin, wahrend die Zickzacks-Verzierun-
gen vielleicht aus der Wasser-Hieroglyphe der Ae-
gyptier hervorgingcn, die ich aus Caylus Ben. Tab.V. PI.
IV. N. IV. unter Fig. 8. habe abbilden lassen. Man fin-
det nämlich ganz dieselbe Wasser-Hieroglyphe auf einer
pantheistischen Opferschale mit Runenschrift unter den gottes-
dienstlichen Alterthümern der Obotriten im flavisch-wendi-
schen Rhetra bei Maschen und Wogen, Fig. 43.; und
warum diejenigen Völker, die, wie die Aegypticr, an eine
Ewigkeit der Materie glaubten, statt des Symbols der un-
geschaffenen Zeit oder der Scclenwanderung die Wasser-Hie-
roglyphe zur Verzierung wählten, davon laßt sich der Grund
leicht auffinden. Mau betrachtete ja das Wasser als den
Urstoff, aus dem sich alles Ucbrige in der Urnacht oder dem
Gewirre des Chaos durch das Princip der einigenden Liebe
entwickelte. Aus der Flut stieg die syrische Venus, wie die
libysche Minerva empor, und auch der indische Wischnus
schwamm über derselben auf dem Lotusblatte, dessen Blume
so oft die bildlichen Kunstwerke schmückt. Die Griechen hat-
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