Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 99
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Kyrus auf den Rach des Meders Harpagus, welcher durch
den Führer der Gefangenen augedeutet seyn kann, eine be-
sondere Anstalt treffen mußte, vergl. Xenopli. Cyrop. VII,
I, 27. 48. Aelian. H. A. III, 7. Auch der Kleidertribut
ist den weichlichen und in allen Künsten des Luxus erfahrnen
Lydiern sehr angemessen; ob aber die Tracht des besiegten
Volkes auf die Lydier passe, könnte noch bezweifelt werden,
da Herodot I» 1Z5. f. schreibt, daß Kyrus auf des Krösus
Rath den Lydiern befohlen habe, Mäntel über den Leibrö-
cken zu tragen und Kothurne unter die Füße zu binden, wel-
ches sich mehr auf dasjenige Volk anwcnven laßt, das zu
Tfchilminar unmittelbar nach dem Wagen (bei Nicbuhr
Tab. XXII. zu Anfänge der untersten Reihe) ebenfalls Pferde
und Kleider liefert. Die Kilikier werden bei Herodot
IH» 90. namentlich als solche angeführt, die dem persi-
schen Könige Pferde liefern mußten; allein auf dieses See-
volk, welches nach Herodot VII, 91. wollene Röcke und rauhe
rindslcderne Schilde trug, und wegen seines freiwilligen
Beistandes von Kyrus besonders ausgezeichnet ward, Xe-
uopb. Cyrop. VIII, 6, g., läßt sich wohl schwerlich die
bildliche Darstellung bei Bissutun anwenden. Die phrygi-
sche Mütze des Gefangenen dagegen, und der Bogen des Ge-
sandten von demselben Volke, spricht mehr für die Abkömm-
linge des Atys, die zwar nach Herodot VII, 74. fast die-
selbe Waffenrüstung, wie die Hellenen, hatten, aber ihrer
Abstammung zufolge wohl mehr den Phrygiern ähnlich beklei-
det gewesen seyn werden. Nun betrachte man in Winkel-
mann s VIon. ined. N. 13. oder Millin's mytholog. Gall.
T. CXXXII. N. 590. das Gefolge des Priamus, welches
dessen Obergewand nicht trägt, ober auch die verschiedenen
Abbildungen des Priamus und Anchises auf der sogenannten
Jlischen Tafel, um es wahrscheinlich zu finden, daß die Ge-
fangenen bei Bissutun Lydier vorstellcn. Man könnte indes-
sen auch auf Armenier rathen, die nach Xenoph. Anab.
IV. p. 261. ebenfalls Pferde als Tribut lieferten, nach He-
rodot. VII, 73. als Abkömmlinge der Phrygier^eben so wie
diese gekleidet waren, und nach Xenopb. Cyrop. II, 4.
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