Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 102
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staben, welchen Lichtenstein für ein kufisches Tech erklärte,
und worauf er seine ganze Entzifferung gebaut zu haben
scheint.

33. Ich kann beiderlei Zeichen für gar keine Schriftzei-
chcn halten, seitdem ich das erste auf der mittelsten Tafel in
Herder's. Werken zur Phil. u. Gesch. I. Thl. unmittelbar
unter den Inschriften babylonischer Mauerziegel, nur wenig
abgeändert, als aus dem Munde desjenigen persischen Wun-
derthieres, welches man auf Niebuhr's Tafel XX. Fig. d.
tu e. sieht, kommend gefunden habe. Ich kann zwar selbst
noch nichts Gewisses darüber bestimmen; aber auf einem
noch nicht bekannt gewordenen Abraxas, auf welchem ich
die sieben Grade der Mithraö * Mysterien oder die Stufenlei-
ter der menschlichen Seele auf ihrer Wanderung durch das
irdische Leben durch sieben unterscheidende Symbole vorge-
siellt glaube, scheint ein ähnliches Zeichen, obgleich in um-
gekehrter Richtung, ein Symbol der Einweihung in die
Mysterien zu seyn. Demnach würde ich hier durch jenes
Zeichen den Zoroaster (denn daß Joroaster zu verstehen
sey, lehrt die Vergleichung des von Lichtenstcin mißverstan-
denen Amulcts im ersten Hefte der morgenländischen Alter-
thümer von Dorow) als einen in die reine Lehre des Zend-
Avesta Eingeweiheten bezeichnet glauben, und unter der
Crux ansata die unmittelbare Belehrung von Ormuzd oder
den Schlüssel zur höchsten Weisheit verstehen. Dabei wage
ich jedoch noch nicht zu bestimmen, ob diese Crux ansata
eine mehr als zufällige Ähnlichkeit mit dem ägyptischen Tau
habe, welches in Cayl. R. T. III. PI. III. N. III. auf
einem kleinen Skarabeen über dem Symbole der untern
Hemisphäre des Weltalls steht; oder ob cs sammt dem
Mercuriusstabe, desgleichen ich unter Fig- 19. von einem
noch nicht bekannt gemachten Abraxas des Herrn Dorow
mit der Umschrift 8(alns) 6X ca(duceo) habe abzeichnen
lassen, aus dem geflügelten Ringe oder Gürtel des oben
erklärten Ormuzdbildes hervorgegangen sey. Ich gehe nun
zu Fig. 21. über, deren Zeichnung mit derjenigen zusam-
menstimmt, welche in Herder's Werken unmittelbar neben
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