Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 107
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von dcn Streitern des Mithras liefet, daß ihnen bei der
Einweihung in den Hblen eine Krone mit einem
Schwerte dargcbotcn und zu einer besondern Cercmonie
aufgesetzt ward; so kann man es kaum verkennen, daß
hier ein geschlungener Reigen zu verstehen sey, von
Welchem schon Homer 11. XVIII, 590 ff* sang:

Jenem gleich, wie vordem in der weitbewohnetenKnossos

Dädalos künstlich ersann der lockigen Ariadne.

Blühende Jünglinge dort und viclgefeicrte Jungfraun

Tanzeten, all' einander die Händ' an dem Knöchel sich haltend.

Schöne Gewand' umschlossen die Jünglinge, hell wie des

Ocles

Sanfter Glanz, und die Mädchen verhüllete zarte Leinwand.

Jegliche Tänzerin schmückt' ein lieblicher Kranz, und dcn

Tänzern

Hingen goldene Dolch' an silbernen Riemen herunter.

Bald nun hüpften jene mit wohlgemessenen Tritten

Leicht herum, so wie oft die befestigte Scheibe der Töpfer

Sitzend mit prüfenden Händen herumdreht, ob sie auch laufe;

Bald dann hüpften sie wieder in Ordnungen gegen einander.

Zahlreich stand das Gedräng'um den lieblichen Reigen ver-
sammelt,

Innig erfreut; vor ihnen auch sang ein göttlicher Sänger-

Rührend die Harf'; und zwecn Haupttummler tanzten im

Kreise,

Wie den Gesang er begann, und dreheten sich in der Mitte.

Man könnte sogar annehmen, daß auch des Lerxcs Gemah-
lin Amestris nur einen solchen Tanz veranstaltete, und Hero-
dot ihren Eingang in die Holen mit Lebendigbegraben verwech-
selte , cuin illic, wie Lampridius im Leben des Commodus
sagt, alitpiid ad speciem timoris vel dici vel fingi
soleret.
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