Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 115
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H5

II.

Ucber den Ursprung griechischer Mythen und Götter-
benennungen aus dem Orient.

(Auszug eines Brieses.)

Wien den 27. Jan. 1821.

Ähre Amalthea spendet eine solche Fülle mythologischer
Schätze, daß cs nur den wenigsten ihrer Leser gegönnt scyn
kann, alle Blumengewinde und Fruchtgebinde derselben für
sich aufzufassen, und sorgfältig im Gedächtnisse aufspeichernd
in eigenen Hausrath zu verwandeln. Mich, der ich zwar
Vieles lese, aber (ich gestehe es unverholen) immer nur aus
Einem Gesichtspunkte, nehmlich von dem des Morgenlandes
ausgehe, hat nebst Ihrer viel berichtenden und viel schlich-
Lenden Einleitung vorzüglich des ersten Abschnittes erste Ab-
theilung, in welcher Ihr cretensischer Zevs wie der Vater der
Götter über die kleineren vorherrscht, mit lebhaftem Inte-
resse ergriffen, und nur darüber will ich mir, weil Sie mich
dazu auffordern, einige Bemerkungen erlauben; Vemerkungeiz,
welche kcinesweges der Ideenmasse des Textes, das ist dem
Gehirne Ihres Zevs, aus welchem Ihr Aufsatz als gehar-
nischte Pallas hervorsprang, neue Substanz zu geben sich
^kühnen, sondern höchstens nur als Notenzusätze gleichsam
nis verlängertes Gehirn und Rückenmark Ihres mythologi-
schen Körpersystemes erscheinen mögen, ja nur als Anhängsel
^ den Noten über einen Comiyentar des Textes, auf Ver-
bleichen heut zu Tage die Literatur der Türken, Araber
und Perser beschrankt ist, weil sie den Grundideen der
-Lerke ihrer Vorfahren nichts wesentlich Großes oder Wichti-
bcs beizusetzen vermögen. Nehmen Sie also diese Anhäng-
sel von Randglossen bloß als solche auf, und verhüten Sie
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