Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 152
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Hamilton, Burckhardt, Salt, und Belzoni fanden
bas Bild mit dem Gesichte aufwärts, und nicht ganz,
sondern zerbrochen. Wenn wir also annchmen, daß Nor-
dens unser Bild sey, so muß cs seit der Zeit dieses
Reisenden die Veränderung seiner Lage erfahren, und
die Beschädigung erlitten haben. Die Französischen Gc-
lehrten, welche im Jahr 1798 Vuonaparte's Hcerzug nach
Aegypten begleiteten, beschreiben cs als ein Bruchstück.
Wie es in den Zustand versetzt worben, wenn cs zu
Nordens Zeit noch ganz war, ist die Frage. . Freilich
konnte es in dem Zwischenräume von 1737 bis 1798,
welches über 60 Jahre sind, mancherlei Zufällen unter-
worfen gewesen seyn, die eine solche Veränderung hervor-
brachten. Wir wissen indessen nicht, ob die Franzosen
bas Bild anfangs so fanden, wie sie es nachher dar-
stellen. Es fällt auf sie ein starker Verdacht, daß sie die
Beschädigung oder Verstümmelung desselben, wenn nicht
ganz veranlaßt, doch auf eine schändliche Weise befördert
haben. Daß Gcwaltthätigkeit an dem Bilde verübt wor-
ben ist, das lehrt ganz überzeugend der Anblick. Es

scheint mit Schießpulver zersprengt worden zu seyn, wel-
ches so wohl bie Art der Verstümmelung, als besonders
ein an der rechten Seite der Brust eingebohrtcs Loch,
das mit Pulver hat ungefüllt werden sollen, um die rechte
Schulter ebenfalls, so wie es vorher mit der linken ge-
schehen war, abzureisscn, darthut. Daß dieß die Absicht
gewesen, und daß die Franzosen die Thäter waren, ist
aus folgendem Umstande zu erweisen. In der Zeichnung,
welche die Französischen Gelehrten in ihrem großen Werke
von unserm Bilde geliefert haben, *) ist es nicht so darge-
stellt , wie cs jetzt wirklich ist, sondern cs fehlt die rechte
Schulter und ein Thcil der Brust auf eben der Seite.
Die Zeichnung war also in der Voraussetzung gemacht,
baß das Bild mit abgesprengtcr rechten Schulter nach

*) In den Kupfern zu der Description de 1’ Egypte T. II.
PI. 52.
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