Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 180
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lassen wollte — denn die Reliefs Malerei an den Tempels
wänden und in den Grotten der Königsgräber folgte
andern Gesetzen — sich anders, als im herkömmlichen Pries
sters Ornat und Stellung bilden lassen konnte. Denn alle
Könige hatten auch bis zu einem bestimmten Grad die Pries
sterweihe. Nun hatte aber auch der König selbst mancher-
lei Beziehung und Verwandtschaft mit dem Horns. *)
Und so wäre es sehr bcgrcifllich, warum sich in Memnos
nien mehrere colvssale Figuren alter Beherrscher Aegyps
tens, nenne man sie nun Jsmandes, Osymandyas, Phas
menophis oder wie sonst, in allegorischer und priesterlicher
Beziehung auf die Sonne ausgestellt fanden, wobei auch
die symbolische Auslegung, wie sic Creuzer giebt, gar
wohl bestehen kann.

Zn Visconti's Pio s Clemcntinischem Museum ist
unter den dort befindlichen ägyptischen Statuen auch eine
sitzende Figur aus schwärzlichem BrecciasMarmor, die sich
früher im Museo Magnini befunden hatte. **) Sie
hat in ihrem ganzen Ansehn, wenn auch in sehr verjüng-
tem Maaßstabe, eine auffallende Aehnlichkeit mit unsrer
Memnonsstatue und verdient in mehr als einer Rücksicht
Mir ihr verglichen zu werden. Visconti, der diesem Bilde
eine ganz besondere Aufmerksamkeit widmete, hat mit über-
zeugendem Scharfsinn sie für das Bild eines Priesters des
Horus erklärt. Dieselben Gründe, die wir dort nachzu-
Icsen bitten, können auf unsere colvssale Granitbüste ange-
wandt und dadurch die Meinung, daß es auch ein Wäch-
ter des Mcmnoniums und Horuspricster scy, was wir
hier erblicken, sehr bestätigt werden. Vor allem dürfte
wohl der zapsenartige unter dem Kinn angesetzte Bart

*) vergl. Creuzer's Symbolik (N. Ausg.) Th.i. S.Z2Z.,
wo bemerkt wird, daß Horns auf der berühmte» Inschrift von Ro-
sette (lln. 26.) als Vorbild der Könige in Aeußerung des MuthS
und der Tapferkeit rorgestellt werde.

**} Museo Pio-Clementino T. II. tav. XVI.
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