Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 186
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non's-Büste der künstliche Bartansatz auf den Horns und
seinen Dienst sich beziehe, möchte, nach allem was von
diesen charactcristischen Abzeichen auf ägyptischen Denkmälern
bemerkt worden ist, kaum einem Zweifel unterworfen seyn.
Die solide Gestalt, bei welcher an ein Futteral zu den-
ken doch etwas gewagt seyn dürfte, wird durch das
ganze, strenge Ebenmaaß der Figur und das, was der
griechische Kunstausdruck viereckig*) nennt, von selbst bedingt.

Die Kopfbedeckung unseres Memnons kann durchaus
nicht mit dem Modul» oder Kornmaaße auf den späten
Serapis - und pantheistischen Isisfiguren verglichen wer-
den , ob es gleich wahrscheinlich ist, daß dieser die
Furchtbarkeit bezeichnende Kopfaufsatz nur eine spätere

auch andern Gottheiten und Priestern auf alten Monumenten der-
gleichen Bart gegeben wird (dem Zevs auf einer Candelaber - Basis
des Cardinals Zelada in Winckelmann's Kunstgeschichte Xf, 3. Werke
VI, I. 268. und dem Priester oder Neokorvs auf der Dresdner Can-
dclaberbasis); so bleibt er doch besonders dem bärtigen, altern Mer-
curius eigen, wie seine Köpfe auf Hermen gestellt erschienen ('Lp/iffr
Terpaycnvos 6 ayiivoirdoyoov beim Artemidor II, 37. p. 217. eüir.
Reif. mit Reifs Anmerkung p. 38g.) und auch auf Vasen häufig Vor-
kommen, (in Tischbeins Sammlung IV, 3,, in Millin's Vasenwerk
Vol. I. pl. 70. mit Millin's Erläuterung p. 123.) Und wie viel läßt
sich von der Verwandtschaft des ägyptischen Thor und des griechischen
Hermes sagen! Münzen von Hermopolis bei Zoega geben uns auch
den bärtigen Hermes der Aegypter. S. Hirts Bildung der
ägyptischen Götter S. 35. Demohngeachtct mochte ich auf diese
Aehnlichkeit zwischen dem Horusbart und dem Spitzbart des älter»
Hermes bei den Griechen kein großes Gewicht legen, da ich überzeugt
bin, daß der ganze Hermes - Mythos weit paffender aus Phonizicn
abgeleitet werden könne.

*) Tirpäycavos. Man weiß, was Varro beim Polyklct -ix»»
<j„adrata nennt. S. Anmerkungen zu Winckelmanns Kunstge-
schichte, Werke TH.V. S.354. und Andeutungen über die
Archäologie S. 120.
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