Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 189
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Denn, um nur gleich dicß hier uoch anzuführen,
was hindert uns, auch die Zierats), die wir sowohl auf
der Mutze, als auf dem Brustschmuck unsers Mcmnons
entdecken, und welches der gelehrte Erklärer mit einer
etwas verzogenen Figur der Zahl 8 vergleicht, für einen
Schlangenzug, der eigentlich dem Urans nachgcbildct ist,
zu erklären? Wenigstens kommt diese Schlangen-Hiero-
glyphe in ganzen langen Reihen über solchen ägyptischen
Bildwerken, die eine Verherrlichung des Königs vorstel-
lcn, gleichsam als verzierende Friese vor, *) wobei oft
auch ein Zirkel über dem Köpfchen die Andeutung noch
erhöhet. Ja cs ist neuerlich von dem scharfsinnigen Io-
mard **) behauptet worden, daß der koptische Adspira-
tionsbuchstabe, der eine schlangenförmige Windung hat S
und womit alle Wörter, die eine Schlange bedeuten, an-
fangcn, von dieser Schlangcnhicroglyphe selbst abgeleitet
scy. — Wir wüßten wenigstens keine angemessenere Er-
klärung dieses als Bordüre und Einfassung so oft gebrauch-
ten Schnörkelzugcs zu geben. ***)

Dann trifft aber Herodots ausdrückliche Versickerung, sie wäre den
Menschen gar nicht gefährlich äpäpdtjrc^v oi’iöajiäi* dykyjiovis wie-
der nicht zu. Denn alle Naja sind sehr giftig. Dieselbe Schwierig-
keit entsteht, wenn man an den Kerasten, die gehörnte Schlange,
denkt, wo n Herodots Aussage tvo r.ipeu yopievai bringen muß.
S. Ellis in den Philosophical Transactions 1756. tab. 14. und
Bruce tab. 40. Den» auch alle Kerasten sind giftig. Warum konnte
doch der gerade in der Amphibienlehre so viel erfahrne Herausgeber
der Lheriaka des Nicander, Schneider, nie zur Ausführung seines
Vorsatzes kommen, eine alt-ägyptische Zoologie aus den nun so reich-
lich fließenden Quellen zu entwerfen. Warum wird dieß Thema nicht
Preisautgabe bei einer Academie?

*) A. V. in dem Kvniasbilde von Luror in der Description
Vol.iii. pl. >4. 6. (auch bei Hirt Taf.lll. 2z.) oder über den rbro-
ncnden Herrscher in dem Tempel von Kalapsche in G a u' s N u b i-
schen Denkmälern Taf. 15.

**) Description de I' Egypte. Antiquites Vol. II. pag. 375.
vcrgl. Creuzcr's Commentatio Herodotea p. 400 f.

***) Man müßte denn, was allerdings auch wahrscheinlich gemacht
werden könnte, die aus einem schmalen, langhalsigen Krug entstandene
Verzierung, wie wir sie oft in ganzen Reihen, oft mit der Kugel
oben, finden (z.B. über einer Jsisbüste in Hircs Abbildungen Tafi 5.
Fig.38. oder auch, wiewohl in umgekehrter Stellung in dein Bilde
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