Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 204
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Knaben, dessen rechter Arm, wie auch der Kopf des Adlers,
sind neue Arbeiten; und da das Ganze an mehrern Stel-
len zerbrochen und wieder zusammengefügt ist, so giebt es
a»ßcr den genannten noch einige minder bedeutende Ergän-
zungen. — Wer die Taf. CHI. im Umriß dargcstellte
Starue aufmerksam betrachtet, muß bald gewahr werden,
sie sey anders nichts als ein schöner antiker Sturz, vcr-
muthlich vvn einem Apollo. Benvenuto Celini aber hat
denselben durch Restauration des Kopfs und aller andern
äußern Theile, Hinzufügung eines Adlers rc. zum Ganyr
medes gemacht. — Sicherlich ist der antike Körper eins
der vortrefflichsten Stücke des florcntinischen Museums; an
gefälliger Zierlichkeit und Adel der Formen, den linden
Wellen der Umrisse, erreicht er zwar den berühmten Apol-
lino nicht ganz, steht indessen demselben nur wenig nach;
hier sind alle Theile etwas entschiedener angegeben; dort,
noch sanfter in einander verfließend. Won Seite der
Stellung scheinen sich beide Werke nahe verwandt zu seyn.
Es fallt in die Augen, daß der erhobene rechte Arm an
dem nunmehrigen Ganymedes ursprünglich mehr zurück und
gerader auf gerichtet gestanden hat, als der moderne Arm
jetzt steht; wohl möglich, daß er eben so wie am Apollino
über das Haupt gebogen war. Der neue Kopf macht sei-
nem übrigens trefflichen Meister keine große Ehre, die
Züge sind unbedeutend, die Augen lang, mit ticfausge-
grabencn Augensternen, die Nase ist zu kurz ausgefallen,
der Mund zieht sich in den Winkeln auf eine gezwungene
Weise in die Höhe, die Ohren stehen weit zurück und sind
vcrhaltnißmaßig zu klein; dem Haupt mag cs wohl an
hinreichender Höhe fehlen. Der linke nicdcrgehaltenc Arm
hat recht hübsche Formen; weniger schön doch ebenfalls
gut ist der rechte erhobene Arm; beide Hände sind zu
loben. Die Füße darf man zierlich nennen, indessen
sind sie etwas manierirt, im Ganzen kurz, die Fersen
klein, der äußere Knöchel sitzt zu hoch. Kunstverständige
werden an der Behandlung dieser Restaurationen leicht ge-
wahr, daß Celini öfter in Erz als in Marmor zu arbeir
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