Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 213
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Unrecht geschehen, wenn man ein Nachbild seiner Athene
Polias in dieser Statue zu sehen glaubte.

Im folgenden Zimmer steht eine Wiederholung dieser
Statue, aber äußerst beschädigt und unglücklich restaurirt.
Becker giebt diese als die vorzüglichere an; ich gestehe, daß
ich mich nicht davon überzeugen konnte. Die Arbeit daran
scheint mir i» keinem Stücke besser; vielmehr ist das antike
Stück der Aegis, und die Falten des Ober - und Unterge-
wandes bei weitem steifer und kopieartiger. Man betrachte
nur die erhöhte Falte längst der Mitte des rechten Schenkels!
Daher würde ich keinen Anstand nehmen, jene besser erhal-
tene als Original von dieser anzugebcn. Der Kopf hat
einen ganz andern Charakter und Ausdruck, dem einer Dea
Roma mehr ähnlich, als einer Pallas. Sie richtet den
Blick stolz empor, statt daß jene ihn senkt. Die Nase tritt
mehr vor die Stirn; zwar ist sie neu eingesetzt, kann aber
nach den übrigen Verhältnissen nicht viel anders gewesen
seyn. Ein großer Vorzug dieses Kopfs jedoch ist der bis
auf den oberen Lheil der Sphinx erhaltene einfache Helm. —
Die ganze Haltung dieser Figur ist mehr gerade, aufrecht,
stolz, während jene sich etwas vorwärts beugt. In den
Verhältnissen der Beine findet sich kein Unterschied, aber diese
sieht im Ganzen weit untersetzter aus, woran wohl die Re-
stauration der halben Brust und des Halses Schuld, welche,
im Verhältniß zur linken Achsel, zu kurz ausgefallen ist.
Daß aber die mehr aufrechte Stellung ursprünglich und nicht
durch die Restauration veranlaßt sey, läßt sich aus der Rich-
tung der Falten am Chiton erkennen.

Auch im Museum zu Cassel befindet sich eine ganz ähn-
liche Pallas, wovon Hr. Volke l eine genaue Beschreibung
in Welckers Zeitschrift für alte Kunst gegeben. *) Diese
öfter» Wiederholungen bezeugen, daß ein sehr hochgeehrtes
Werk des Alterthums ihr Vorbild gewesen seyn müsse;
und von jener gut erhaltenen Dresdener Statue darf

*) I. Heft. S. -56 ff.
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