Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 215
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so zeigen auch besonders die Falten des Gewandes, wie
die Ausführung nicht mehr jene Lebendigkeit erhalten
konnte, indem manches Willkührliche und Ungründliche
darin sichtbar ist.

Noch spätere Zeit verräth die Anordnung der fünften,
in demselben Saale befindlichen Minerva (August. No.
XLI.), die mit einem, vielleicht griechischen, jedoch nicht
ganz vorzüglich gearbeiteten, und für ihre Verhältnisse
etwas zu großem Kopfe restaurirt worden. Wir sehen an
ihr wieder dieselben Gewänder, nicht weit unter der Brust
durch ein Gürtelband zusammcngepaßt, die Falten aber
copiemäßig gearbeitet. Dagegen hat die Acgis nicht mehr
die vorige natürliche Form eines Felles, das über Brust,
Schultern und Rücken zum Schutze gelegt ist, sondern be-
deckt regelmäßig in zwei länglichten, durch das Medusen-
Haupt zusammengehaltencn, auf den Achseln mit Heften
befestigten Hälften nur die Haupttheile der Brust. Die
ursprüngliche, *) so einfache und malerische Gestalt ist hier
ganz verloren gegangen. Ucbrigens könnte vielleicht diese
Figur wegen der ruhiger fortschreitenden Stellung und des
emporgehaltenen Hauptes, als die Minerva Area, die
kriegerische Vertheidigerin, gelten, wozu auch die Restaura-
tion der Arme, wie sie am linken das Schild, in der
vorwärts erhobenen Rechten den Speer trägt, vollkommen
paßt.

Einen ganz veränderten Typus endlich zeigt die sechste
Statue (August. No. XCV1II.), ohne Zweifel ein spät
römisches Werk, woran jedoch Kopf, Arme und der untere
Thcil des Gewandes nebst den Füßen neu angesetzt sind.
Die Riemen an der Aegis jener kolossalen Statuen, welche
bereits in der vierten unserer Ordnung, wie an der Statue

*) Daß diese Form die ursprüngliche, lehrt sowohl die ähnliche
Aegis an der altgriechischen Minerva zu Dresden, als noch mehr die
der Pallas unter den aginctischen Statuen. Vergl. die kleine Abbil-
dung in Wolfs Analekten Bd. z. An beiden geht sie sogar
weit über de» Rücken herab.
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