Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 218
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seinem weitausgreifenden Plan einer Anaglyphographie von
ganz Rom getreu, *) natürlich auch dicß Denkmal mit der
ihm eignen kritischen Genauigkeit geprüft und seine Bemer-
kungen darüber um so fleißiger niedergeschriebcn hatte, als
es hier auf eine innere, gleichsam mystische Ausdeutung
eines Denkmals ankam, das von Winckelmann ganz miß-
verstanden, wohl auch als eine Kunst-Hieroglyphe gelten
konnte.

Winckelmann gebührt unstreitig der Ruhm, auf dieß
Denkmal, welches ganz unbeachtet in den Kellergeschossen
mit vielen andern erst später beachteten Bruchstücken in
Dunkel und Vergessenheit begraben dalag, zuerst auf-
merksam gemacht zu haben. **) Zn den Monumenti
inediti gab er dann auch die Abbildung der einen Seite,
welche am wenigsten gelitten hatte, und erklärte den auf
dem Centaur recht behaglich ruhenden Zevs mit der Ne-
belkappe über den Kops für Zevs den Jager, die an-
dern Seiten nur obenhin erwähnend, und also das erste
Gesetz, daß alle drei Seiten als ein Gemeinschaftliches,
als ein Cyclus erklärt werden müßten, nicht achtend.***)
Erst Visconti ließ diesem Denkmal volle Gerechtigkeit
wiederfahren, und indem er durch unseres Uhden's lehr-
reiche Winke auf das in zwei Seiten noch sichtbare Stern-
zeichen und die Spuren der durch Beschädigung fast ganz
untergegangenen Formen aufmerksam geworden war, gab
er in einem Anhänge zu den Monumenti Gabini auf
drei Hülfstafeln zuerst die vollständige Abbildung und die

*) S. § vcgK' sLeben von Welcker Th. H. @.374 ff.

*"”) Zuerst ttl der Preface a lä description des pierres gravees
du B. de Stosch p. 15., dann in der Vorrede zur Geschichte
der Kunst des Alterrhuins (Werke Th. Hl. @. VI.) und in
der Anmerkung dazu S. XLvrr.)

*'**) Monumenti inediti No. 11. p. 11 ff. Die hier zuerst gege-
bene Abbildung der einen <seite ist dann mehrmals wiederholt wor-
den z. V. in Hirt's Bilderbuch im 1. Theil, in der Vignette
S. 21.
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