Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 241
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Offenbar kömmt Alles hier auf die Bedeutung und
den Gebrauch des Wortes axoXidg an. Dieses Wort ist
keines der seltneren. Es begegnet uns überall und in
mannichfaltigen Verbindungen, so daß wir der Nothwen-
digkeit überhoben sind, seiner Bedeutung auf dem nüßli-
chen Wege zweifelhafter Etymologien oder entfernt liegen-
der Analogien nachzuspüren. Waren Stellen der Alten
aufzufinden, in denen 0x0X10; von Kunstwerken gebraucht
wäre, so würde die Untersuchung bald geendigt seyn.
Der Ungenannte hat keine angeführt. Auch uns bieten
sich keine dar. Wir müssen uns also an den analogen
Gebrauch halten.

Also ausgebildete Werke, oder aus gerun-
dete Bilder sollen GxoXiä epyct seyn; oder wie sich
der Ungenannte noch bestimmter ausdrückt: „nicht ge-
rade, sondern mit krummen Linien, Einschnit-
ten, Absätzen, Gliedern versehene, ausgemeis-
selte, ins Einzelne behauene Bilder, an wel-
chen dem Auge die Beugungen des Einzelne):
sichtbar sind."

Das Alles liegt also in dem Worte ßxoXiös! Und
dieses Eine, so reichhaltige Wort hat kein andrer Schrift-
steller, der von Kunstwerken sprach, so zu brauchen ver-
standen! Niemand als Strabo hat diese Fülle von
Inhalt erkannt, und es doch auch nur dieses Einemal,
und — die Wahrheit zu gestehen — an einer nichts we-
niger als bequemen Stelle, in diesem prägnanten Sinne
angewendet!

Was dieser neuen Erklärung auf den ersten Anblick
zu Statten kommt, möchte der Gegensatz seyn, in welchem
GxoXiög mit öpZos und eü$ys zu stehen pflegt. *) Die-
ser Gegensatz findet sich am häufigsten bei der Anwen-
dung des Wortes auf sittliche Gegenstände; aber in dieser
Anwendung hat es immer einen tadelnden Ncbenbcgriff.

* ) @. Creuzer ad Plotin. de Pulcritud. p. 240.

Amalth. II.

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