Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 242
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Jedermann kennt das Scolion: tvBia rov Iralgov
cj-iEv xal pj axoXtd (ppoveiv. Gerad muß der
Freund scyn, und nicht krummes denken. Auch
die axoXial btxai beim Hesiodus E. x. IT. 250. denen
6()!XoUxag (Pindar. Pyth. XI. 16.) cntgegensteht. Mit
fxv&ois oxoXiolg, mit listigen und ränkevollen
Worten täuscht der schlechte Mann den Guten. (Hesiod.
E. x. H. 194.); und wie cxoXiai andrai (Fragm.
Pindar. lnc. IV.), so sind auch OxoXiai 6001 nicht
kunstvoll gebogene Wege (wie etwa die des Tänzers), son-
dern die tückischen Wege des Ränkevollen, dem der ev&v-
yXiv&öog (Pindar.Pyth. II. 156.) entgegengesetzt wird.
Mit gleicher Analogie ist 0x0X17} ao(pi7j (Hermesian.
Eleg. so.) die sophistische, vom rechten Ziele abführende
Weisheit, womit die axoXial andren rivv fiereoogoXo-
yoov (Enrip. Fragm. Inc. 153.) zusammenstimmen. *)
Mit diesem Gebrauch ist Xotgog und nXdyiog synonym **);
Worte, die auf Kunstwerke angewender, den härtesten
Tadel enthalten würden.

Jener tadelnde Nebenbegriff ist also „in dem morali-
schen Gebrauche des Wortes" der neuen Deutung zuwider.

Sehen wir uns also nach Stellen um, in denen das
Wort von sichtbaren Gegenständen gebraucht wird.

Die Wörterbücher erklären oxoXiog durch obliquus,
tortuosus, intortus, inflexus, pravus, ***) und wir
sehen nicht ein, wie eine dieser Bedeutungen dem Unge-
nannten zu Statten kommen könnte. Selbst infl6xa opera
würde unschicklich ferm. Der iitnua der Auguren, den ein
Glosscma beim Oicero de Divin. 1.1. c. 17. ein bacil-
lum incurvum et leviter a surnrno inflexum nennt,

'') Als Vater ^es Betrugs uud der Ränke heißt der Satan
<SKO%iö? 9t/p bei Gregor. Nazianz. in Muratovi Anecd. p. 175.

**) S. Heyne zu Pindar. S. 429. Tzetza ad Lycoplir. l/f.
Tiara 77js KaGsäv&pas, Oositep iraivt] A,o£<£>s i’XaXst

31 ai GTio’XlädS,

**#) Stephan. Thes. Gr. L. Indic. Pars II. p. 42.
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