Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 284
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ten einzelnen Versen Wolf vollkommeu berechtigt war/ cs
für ein Satyrdrama zn erklären. Es ist schon von andern
bemerkt worden, daß beide Gattungen/ sowohl das tragische
als das komische Satyrdrama, als integrirende Theile der
Athenicnsischen Trilogie/ den Uebergang und gleichsam das
Mittelglied bildeten/von der geregelten attischen Bühne zu den
regellosen dramatischen Satyrspielen und mimischen Vorstel-
lungen an den mit Einweihungen verbundenen Bacchusfesten
in Großgriechcnland und in allen Staaten/ die zum Dorischen
Hauptstamm gehören.*) Es ist daher gar sehr zu beklagen,
daß uns außer dem Euripideischcn Cyclopen auch nicht ein
einziges dieser satyrischm Dramen erhalten wurde. Sie
würden für die Erklärung altgriechischer Vasengcmälde von
weit größerer Wichtigkeit seyn, als alles, was uns von der
geregelten attischen Bühne übrig geblieben ist.

Unter den vielen Heroinen, welchen die alte Fabel mit
Poseidon in Liebe verband, scheint die durch die Thebaide
berühmt gewordene Hypsipylc ausgenommen, Amymones Liebe,
deren Frucht der Seegott Nauplius wurde, die berühmteste
gewesen zu seyn. **) Sie wurde durch Bacchische Ballets
an den Bacchanalien verherrlicht; und darum wurde sie
ein Lieblingsgcgcnstand der alten Malerei überhaupt ***) und
insbesondere der alten Vasengcmälde.

*) Vieles hichcr gehörige ist schon vor 24 Jahren in der Prolu-

ston Quatuor aetates iei scenicae apud veteres p. g. ff. so ZllstlM-

mengestellt worden, daß seitdem andere ihre weitern Ausführungen
daraus gründen konnten.

**) In der Strafrede des belesensten aller Kirchenväter, des
Clemens von Alexandrien, in seinem ibolrepuco p. 20. A. Sylb., wo
er ausruft: „Her mit dem Neptun, und der ganzen Schaar der von
ihm gemißbrauchten Jungfrauen, 6 jcopds 6 bit<p3app.£vos p-r' ad-
7ov,u nimmt unter sieben andern AmpMone den zweiten Rang ein.

In der vom altern Philostrat beschriebenen Bildergallerie
ist (Icon. I, g. p. 774-) auch Amymone, die Ankunft Neptuns er-
blickend. Heyne (Opusc. T.v. p.55.) hat, was auf die Jungfrau
sich bezieht, fälschlich auf Himmel und Meer bezogen. Es heißt
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