Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 285
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Wie oft mag dieß Abentheuer auf Vasen vorgestellt
worden seyn, da allein in den uns bis jetzt bekannt geworde-
nen Sammlungen sich derselbe Gegenstand viermal, aber
immer mit anderer Gruppirung und Mit Verschiedenheit in
den Nebenpersonen, abgebildet findet? Denn außer der
hier abgebildetcn Vasenzeichnung, die wir vom damaligen
Besitzer der Vase die Heigelinische nennen wollen, und wovon
sich in der noch ünedirten Kupfertafel zu Tischbeins Vasen-
werk eine schöne Copie vorfindet; außer der ünedirten,
welche Hirt in der Lambergischen Sammlung sah, die nun
im Kais. Antikenmüseum in Wien aufgestellt seyn muß, und
außer der von Miüin mitgetheilten, aber damals noch nicht
verstandenen (Peintures T. II. pl. XX.) *) gab auch
schon in dem frühesten aller Vasenwerke, auf welches wir am
Ende immer zurückkommen müssen, Paffen eine sehr merk-
würdige, aber auch von dem Erklärer, der den Neptun in
einen Bacchus ümdeutet, ganz falsch ausgelegte Vorstellung
dieser Scene (Pievurae in Vasculis T. II. Tab. 171.)
aus dem damals so reichen Museum des Hauses Riccardi in
Florenz. Wir bleiben bei dieser stehn, da Hirt davon keine

%s.vni)V v7to (fiitSEods ovSav 6 jcpvsos xepisri'Xßet, d. h. den
weißen Hals der Jungfrau umglanzt ein goldnes Halsband. Man
erinnere sich nur an die Herculanischen Gemälde von der Ariadne
Pium-e T. II. tav.i5* Der Reflex dieses Glanzes ist im Wasser des
JnachuS, wo sie geschöpft, oder im Wasser, das sie geschöpft hat, zu
sehen. Dagegen ist die dialogirte Scene, in welche der spottende Lu-
cian dieß Abentheuer einkleidete Dial. Marin. VI. p. 504. Wetst.
zwar bei aller seiner Kürze acht dramatisch, aber für bildliche Dar-
stellung ganz unbrauchbar. Denn wie sollte der Triton, der da den
Gelegenheitsmacher und Kammerdiener macht, den Raub der Amy-
mone auf dem Festlande begehend vorgestellt werden, er, der Fisch-
geschwänzte ?

*) In den Erklärungen zur Galerie mytliologique, wo er diese
Vase in verkleinertem Umriß gab pl. lxii, 294. wußte Milli» sehr
gut, daß die Nymphe hier Amvmone sey; auch in der introduction
ä«>n großen Werke.
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