Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 293
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feste statt, wo die Satyrn nicht fehlen durften; wobei
doch die Rücksicht auf die Einkleidung der Fabel in ein
satyrischcs Drama nicht ausgeschlossen bleibt. Man muß
dieß bei der Betrachtung sehr vieler Vasen, die auf be-
stimmte Mythen deuten, nicht aus den Augen verlieren.
Eo hat Will in in seiner Erklärung der schönen Vase,
welche den Kampf des Cadmus mit dem Drachen an der
Quelle Aretias verstellt, die oben als Zuschauer angebrach-
ten Satyrn für bloße Staffirung der Landschaftsscencn
gehalten,*) da doch die Rücksicht auf das Bacchusfest
und das satyrische Drama die Sache noch weit mehr auft
geklärt haben würde. Selbst Millingen, einer der
scharfsinnigsten Vasenaueleger, scheint in der Erklärung
einer Vase seiner eigenen Sammlung die Anwesenheit der
Satyrn zu genau mit der Fabel in Verbindung gesetzt zu
haben, wenn er dem Mcdusentödter Perseus die auf der
Vase angebrachten Satyrn als Feinde entgegeustcllt und
den Heros das Medusenhaupt gegen sie gebrauchen laßt. **)
Wie viel angemessener ists zu sagen, daß diese Satyrn mit
der Fabel in gar keiner Verbindung stehn, sondern bloß als Re-
präsentanten des Chors im satyrischen Drama und seiner Tänze
da stehn! Derselbe Ausleger hatte fünf Jahre später seine
Ansicht darüber sehr geändert. Denn wenn er von einem
Satyr spricht, der auf einer dem Baronct Coghill gehö-
rigen Vase bei einer Vorstellung aus den Abentheuer» der
Io auf der einen Seite seine Sprünge macht;***) so be-

*) Peinturcs de9 Vases T.n. pl. VII. in der Erklärung p.

**) S. Millingen Pointures des vases grecs inedits (Rom
1813.) pl. HI.

***) Peintures antiques des vases grecs de la collection du
Sir lohn Coghill (Rom >L>7-) pl. 46. Hier macht Millingen fol-
gende Bemerkung: Co Satyr place a l'extremite de la composi-

u°n n’a aucun rapport avec le sujet de la peinture. Les artistes
ernployes k peindro de vases plaqoient souvent des Satyres et
autres figures seiublables dans les eompositions qu’ils etoient
karges de peindre cet.
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