Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 302
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III.

D e r Dreizack.

Wir haben in früherer Behandlung des Mythos vom
Neptun*) die fast ketzerische Behauptung gewagt, daß, so
wie Ares nur ein in Menschengestalt erscheinender Zusatz zu
dem weit früher verehrten und göttlich gehaltenen Speer,
Hermes und der dem Friedcnsstabe zugesellte phönizische
Herold, Aeskulap nur die Priesterfigur zum Stab, den
die Orakeln und Heilschlange umwindet, ursprünglich gewesen
zu seyn scheint; so auch der uralte Potidan (denn das
halten wir für die älteste Form des Wortes) nur erst
als ein anthropomorphistischcr Zusatz zu dem weit früher
verehrten Dreizack, dem Merkzeichen der Macht und Be-
sitznahme der Phönizier, wo sie zuerst landeten, Hinzuge-
kommen sey und daß sich daraus dann durch Aufnahme
des Dreizackschwingcrs unter die Scepter- und Specrtragenr
den Olympier der ganze menschlich - hellenische Mythos vom
zweiten Bruder des Zeus gebildet habe. Es verlohnt sich
die Mühe, die drei verschiedenen Gesichtspuncte, aus wel-
chen die Macht des Ncptunischcn Dreizacks angesehen wer-
den muß, etwas genauer ins Auge zu fassen.

Die Phönizier, die ersten und fertigsten Metallschmelzcr
und Metallzuberciter der Vorwelt, brachten zu den der Mc-

x

*) Die Grundzüge davon wurden von inir im zweiten Abschnitt
der Kunstmythologie, die im Jahr i8io. als handschriftlicher Leitfaden
an meine Zuhörer gegeben wurde, x. iZZ.ff. mitgetheilt. Creuzcr
hat in seiner Symbolik, da wo er den Mythos des Neptuns durch-
geht Th. ii. p. 595'ff. mehrmals darauf freundliche Rücksicht genommen.
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