Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 310
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welches nun gleichbedeutend ist, Phönizische Kauffahrer brach-
ten die Kenntniß des Thuufischfangs zugleich mit dem Drei-
zack zu den Griechen und machten ihn zugleich zum Abzei-
chen der Secherrschaft. Und dicß ist der zweite Ge-
sichtspunkt, aus welchem dieß vieldeutige Symbol angesehen *)

Creuz. erhellet. Die alt-deutsche Sprache hatte das Wort Kreuel
dafür, welches in Luthers Bibelübersetzung vorkommt. S. Veck-
mannS Ge sch. d. Erfind. TH.V. S. 287. f. Im neuen Griechi-
schen heißt der Dreizack MfiaKij, nafiamov. S. du Cange Glos-
sarium med. et intim. Graecitatis s. v.

*) So bezeichnet Danaus den Ort, wo er landete und Besitz
ergriff, mit einem empotstehenden Dreizack, 6p& rpiawav rt'ivie
gt)pe~iov Seov heißt es in Acschylus Lüppl. 226. Dasselbe hatte ohn-
streitig einmal auch Poseidon im Kampf um den Besitz der Burg von
Athen mit der Minerva gethan. Er kam zuerst au die noch unbe-
setzte Burg und stellte da den Dreizack auf. Dann kam Pallas und
pflanzte den Oelbaum. So faßt es Heyne in den Observ. ad
Apollod. p.322. ganz richtig. Dieß deutet offenbar auf eine phöni-
zische Landung, noch ehe Ceerops, der Stifter des Ncithdicnstcs, sich
dort ansiedelte. Alles wurde nun immer mehr symbolistrt. Uebcrall,
wo Poseidon den Dreizack einstößt, entspringt ein Quell. Da nun
aber von einem wirklichen Quell süßen Wassers dort nicht die Rede
seyn konnte, so zeigte man doch im Pandrosinm noch den Brunnen,
auf dessen Boden Secwasser, Salzfluth quoll. So berichtet der Au-
genzeuge Pausanias 1, 26. 6., indem er zugleich andere Beispiele sol-
ches unterirdischen Sccwassers anführt. Dieser Brunnen hieß nun
auf alle folgende Zeit SuA,a<jsa. (S. Valkenaer und Wesse-
ling zu Herodot p.642, yi. oder 1. VI. p. 124. Scliweigh. und S.
Qttfr. Müllers Minervao Poliadis aedes in arce p. 31.) Von
einem Roß, das hier auf den Dreizackschlag des Poseidons hervorge-
sprnngen sey, läßt sich das ganze Alterthum nichts träumen. Den-
noch ist es durch eine verdotbene Lesart in Ovids k>l«karn. VI, 77.,
wo die mit dem Anfang der Georgika mehr, als mit dem Meerbrun-
nen bekannten Abschreiber Exiluisse fretum in ferum verwandelte»,
so allgemeiner Glaube geworden, daß selbst Bentlcy zu Horaz 0d.
I- 7, 7- (wo Gale's Verbesserung konri statt kronri die einzig wahre
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