Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 311
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werden muß. Dadurch bildet sich die Vorstellung eines
Herrschers über die See, als eines Gottes, immer mehr aus,
und dem Dreizack stellte sich nun der dem Zeus verbrüderte
Gott zur Seite. Denn was war natürlicher, als gerade
diesen Dreizack nun auch als Symbol der Besitzergreifung an
der Küste, als Zeichen der Herrschaft, welche die in Erfin-
dung und List überlegenen Phönizier überall über die Ein-
gcborncn ausübtcn, zu gebrauchen, geradeso, wie christliche
Seefahrer da, wo sie ncuentdeckte Küsten und Inseln für ihre
Monarchen oder Freistaaten in Besitz nahmen, neben den
Wappen auch wohl ein Kreuz aufrichtetcn. So entstand
also die Sitte das Poseidonszcichcn als Bcwciß der Herr-
schaft und Besitznahme, wo es aufgerichtet stand, anzu-
sehcn. Wo also nur jener Epicharmeische Trochaicus
aus Epicharmus Lustspiel Hebe's Hochzeit von einem
Phönizischcn Kauffahrer gesagt werden konnte

Das, was selbst Poseidon führte, ein Phönizisch Waa
rcnschiff, *)

Lesart ist), um sich aus der Verlegenheit zu helfen, eine eigene, nur
bei den Römern angenommene Ueberliefernng (!) darüber anzunch-
mcn sich genvchigt sieht. Das Roß, welches allerdings auf Posei-
dons Dreizackschlag irgendwo hervorspringt, ist das thcssalische nach
Lucan VI, 396. und daraus allein ist, wie schon Voß in seinem Com-
mentar zu Virgils Landbaugcdichteu Th. m. S. 52. f. sehr scharfsinnig
zeigte, die Anrede Virgils an den großen Pfcrdeerzeugcr Neptun zu
erklären. Sicherlich war auch in jenem Giebelfeld des Parthenon, in
welchem Phidias diesen Kampf des Poseidon mit der Athene gebildet
hatte (ohnstreitig das östliche, wie neuerlich Leake in seiner
Topography of Athens p. 245 — 260. so wahrscheinlich, als möglich,
selbst gegen Visconti, gemacht hat) kein Roß je zu sehen, so wenig
«IS in einer andern Gruppe auf der Burg, von der Pausanias spricht
I, 24. 5. Wohl aber fand stch dort der Dreizack noch aus dem Fel-
sen eingehauen l, 26. 6.

*) Bei Athenäus VII. P.320.C. oder c. >14. Sch w.
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So verbesserte die ganz verdorbene Stelle Valkcnacr zu Eurixides
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