Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 314
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Doch Poseidon,

Der groß an Macht dem Dreizack gebeut,

mann I»1>. Fulgerat. c. g, p.279.ff. Euripidcs nennt ihn oft mit
mehr oder weniger Bezeichnung (S. Troades 80Z. Jon 1455.ff. Matth.)
und wir erblicken ihn deutlich auf athenischen Münzen. Mus. Hunter,
lall. 10. XXXI. lab. >>. VI. vcrgl. tab. 12. VI. Dieser Oelbaum
also und die gvldne Gorgone sind hier dem Euripides die Repräsen-
tanten des Tcmpeldicnstes der großen Nationalgvttin. Sie wird durch
den Ausdruck ropytbv bezeichnet. Es ist mir keine Stelle

bekannt, in welcher Pallas selbst wegen des auf ihrer Brust befestig-
ten Gorgoncuhauptes Gorgo genannt würde. Es muß also die gol-
dene Gorgone dock immer 00» dem eigentlichen Mcdusenkopfe ver-
standen werden, wenn auch nach dem bekannten Tropus dann die ganze
Statue dadurch im Allgemeinen angcdeutet wird. Daraus folgt, daß
die colossale aus dem Zehnten der Marathonischen Beute gegossene
ganz bronzene Pallas Promachos, im Tempel der Pvlias (S. An-
deutungen zur Archäologie p. 84. Leakk' s Topography p. 272.)

und nicht die Chryselephantine im Parthenon in diesen.Versen ge-
meint seyn müsse. Das Topyoveiov auf der Chryselephantine war
von Elfenbein. Pausan. I, 24. Quat reinere IupiterOlympien
p. 235. Das auf der ganz metallenen Promachos war von Gold.
Denn darum wurde dieß eben von Phileas gestohlen, wie wir aus
Suidas 3. v. und Jsokrates gegen Callimachus p. 668. Lang. (nach
Auger's richtiger Verbesserung statt SiAepxor) wissen. (Meursius
in der Cecvopia c. 15. p. IZ. verwechselt, wie immer, in seiner Com-
pilation beide Statuen.) Auch waren ja alle alterthümliche und prie-
sterliche Reliquien und Heiligthnmer im Tempel der Pvlias versam-
melt, wo eben der Oelbaum und die Promachos standen, wie Mül-
ler neuerlich gelehrt gezeigt hat. Diesem vaterländischen Gottes-
dienste will nun Eumolpus den alten Poscidondicnst wieder entgegen-
stellen. Er wird den Aufrecht stehenden oder aufgerichtcten Dreizack,
6p9yv rpiuivav sTasav, mit heiligen Kränzen und Binden schmük-
kcn, also die alte Dreizackgewalt (dieselbe, welche !m Gemälde des
Jsmenius im Erechtheum dadurch angedeutet war, daß der Eteobu-
tade Abron seinem Bruder Lykophron den Dreizack einhändigt
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