Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 317
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Der erste Reisende, der in neuerer Zeit darauf aufmerksam
gemacht hat, der Engländer Whelcr, spricht mit einer
Bewunderung von mehr als 50 dergleichen Kanälen, welche
nur erstauncnswürdige Anstrengung der Menfchenkraftc Her-
vorbringen konnte. *) Gewiß waren die peloponnesischen
Mauermeister die cyklopischcn Maurer von Mycenä und Ti-
ryns und die böotischen Kanalgräber durch den Berg Ptous
keine pclasgischen Urbewohner. **) Es waren dicTelchinen
im Gefolge Poseidons, cs waren Phönizier. Die böotir
sche Ursage nannte den Hercules als den großen Kanalgrä-
bcr und Flnßableiter. ***) Hercules ist aber hier stets
der tyrische Malkarth, der phönizische Handels - Abentheurer,
Metallurg und Ansiedler. Das sind jetzt bekannte Sachen.
Doch fehlt noch viel, bis den Phöniziern widerfährt, was
der des heiligen und profanen Alterthums gleich kundige
Bischoff Munter ihren Söhnen, den Karthagicrn, ange-
deihen ließ.

Warum sollte nun nicht derselbe Dreizack, der Felsen
spaltet, Inselgruppen erschafft, die Erde erschüttert, mit

*) Voyage de Dalmatie, de Grece et du Levant p. 577. La
grandeur de l’ouvrage senible surpasser toute l’adresse et le pou-
voir des Lomrocs und p. 581. wo er die Sage vom Hercules, dem
Flußableiter, angeführt hat: Je suis assure que Ia grandeur et la
dilTiculte de cet Ottvrage etoit teile, qu’il auroit fallu plus d’une
armee de Hercules pour en venir a bout — je n’ai rien vu de si
admiiable ni dans les plus grands ouvrages des Romains , ni dans
tout ce que j’ai vu de la liature et de l’art.

**) Ader wohl Pelasgcr i» dem Sinne, in welchem das Wort
sehr viele phönizische Sagen in sich ausgenommen hat, und so mag
D v d w e 11 in seinen classical and geographical Tour through
Greece T. II. p. 217. ff. die cpklopischen Mauernerdauer immer Pe-
lasger nennen.

Das ist der Hercules tvafaovr dnotffxxlas in der In-
schrift ans derFarnesischen Apotheose bei Ooni i, 93. (Die sämmr-
Uchcn Stellen hat Müller an, angeführten Orte S. 61. ff. gesammelt,
vergl. Cre uz er's Symbolik II, 212.)
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