Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 321
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deutlich. Die Küsten von Syrien und Cilicien sind voll
phlegräischer Erscheinungen und hatten von jeher Schwefelbä-
der. *) Bekannt mit diesen Schwefelquellen und ihrem heil-
samen Gebrauch entdeckte der Phönizische Küstenfahrer über-
all, tvo ähnliche Naturkrafte wirkten, die warmen Quellen
und theilte ihre Benutzung den Urbewohnern mit, das
heißt in der Umbildung zum Griechischen Mythos: Hercules
gab, stiftete die Thermen, durch deren Gebrauch er sich
zuerst selbst erquickt und gestärkt fühlte. **) Besonders
mag ihr Gebrauch gegen Hautkrankheiten damals mit gutem
> Erfolg verbunden gewesen seyn. Aber auch die Schwefel-
dampfbäder und Stuffe in verschloßncn Kammern und Fel-
senhölungcn waren den Phöniziern nicht unbekannt, wie aus
der Geschichte des nach Sicilien entflohenen Dädalus her-
vorgeht,***) welcher dort unterirdische Dampfbäder erbaute,
in welchen König Kokalos den Minos erstickte.

«) Dort giebt es ja auch eine xaruxtKav/idviMan denke
an die heißen Quellen von Tiderias in Elarke's Travels T. iy.
p. 217. ig. u. s. w.

**) Die Phönizier stießen in der Bearbeitung der Silber - und
Erzgruben und Eisenbergwerke ohnstreitig oft ans Mineralquellen, von
welchen doch Hippvkrates schon ungünstig urthcilt de aer. et loch c.
55. p. 30. ed. Coray. Vergl. Caryophilus de vsu et praestantia
thennarum p.6. f. Es ist auch schon von andern bemerkt worden,
daß die Löwenköpfe, aus welchen wir auf den Münzen von Himera,
und auf andern alten Denkmälern die Heilquellen hervorsprudeln sehn,
eine orientalische Bezeichnung und Beziehung auf den Hercules hat-
ten. Ueberhaupt mögen wohl die vielen Sagen von den verschiedenen
Eigenschaften und Wundergaben so vieler Quellen bei Pausanias IV.
35- Vitruvius VIII. 3. Pseudoaristotelcs, Scneca u. s. w. man-
ches <£oivinindv Tj>Bvsjxa, wie cs die Alten sprichwörtlich sagten, mit
forrgepflanzt haben.

***) Beim Diodvr IV. 70. p. 321. heißt cs von den Selinunti-
schen Schwefelquellen (von welchen Strabo spricht VI. p. 422. C. vergl.
Eckhel Doctrin. N. V. T. I. p. 239.) Dädalus, der dem Minos
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