Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 326
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Zcvs sind/ und von Haus aus Gaukler, Jongleurs, Thau-
maturgcn durch genauere Kenncniß der Naturkräfte und eben
deßwegen wohl auch als arge Zauberer verschrieen. *) Dür-
fen wir uns also wundern, daß diese Tausendkünstler, in
welchen, wie Creuzer sehr gelehrt zeigt, alle Jncunabeln
der Schifffahrt und der Erfindungen, wodurch die Schiff-
fahrt gelingt, repräsentirt wurden, in diesen Dreizack auch
eine Eigenschaft der Wünschclruthe, Quellen aufzufinden und
zu eröffnen, gelegt haben? Nehmen wir immer an, daß
es jenen halbwilden Urbewohnern an den Griechischen Küsten
keineswegs weder an jener zu einer Art von Wahnsinn
führenden Reizbarkeit, wodurch sie im geschärften Ahndungs-
vcrmögen voraussahn, was kurz darauf cintraf, mit einem
Wort an den second sight der schottischen Hochlandbewoh-
ncr, (wodurch so manches in der Divinationsgabe und in
der luxvrtia. der Griechen deutlich wird), noch an jener
Schärfe der Sinne und sinnlichen Beobachtungsgabe gefehlt
habe, wodurch zu allen Zeiten Hirten - und Iägervölker
das Vorhandenseyn von Quellen unter der Erde beobach-
tet haben. So bemerkten auch neuere Reisende, daß die
Wilden, indem sie sich auf den Bauch legen und so die
leicht aufsteigenden, sich kräuselnden Dünste (humoreg
concrisparrtes et ln aeru surgentes, nennt sie Vitruv
VIII, i. p. 207. Schneid.) auf dem Boden belauschen,
sogleich die Plätze angeben, wo unterirdische Wasseradern
sich befinden und denOrt mit Fingern zeigen.**) Denn wie

*) Creuzer's Symbolik 11, 305 — 8. S. Diodor V, 55. 56.
Strabo XIV. p- 966. C. Sehr scharfsinnig hatte schon Frer et in der
Histoire de l’Acad. des Insc. T. XXIII. gezeigt, daß sie bloß darum
der Hexerei bezüchtigt und angefeindct wurden, weil sie z. B. die
Heerden imFrühlinge bcräucherten und die Pflanzen durch Ausspritzen
bitterer Flüssigkeiten von Insekten befreieteu.

**) S. Vailkgnt' s zweite Reise Band n. S. 202. von
Schneider angeführt in den Anmerkungen zu den Leiogis pliysicifc
p. 106. zu den Geoponicis ii, 5. II. p. 84. Es ist bemerkt worden,
daß Feinsinnige glich durch Auflege» des Ohrs auf die Erde und durch
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