Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 330
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Hatte man nun zugegeben, daß in jenen Fabeleien der
Griechen von der quellhervorrufenden Kraft, die Götter und
Heroinen durch einen einzigen Stoß an einen Felsen oder
auf den Boden erprobten, mit unserm Dreizack in Verbin-
dung gesetzt werden könnten; so würde eine lebhafte auf-
geregte Fantasie ihren Flug wohl noch etwas weiter er-
strecken und die Metall- und Quellsuchenden Phönizier gera-
dezu auch für die ersten Metalloscopcn und Hydroscopcn
durch die Wünschclruthe erklären. Es ist überall
noch in frischer Erinnerung, wie viel noch vor wenig Jahren
über die dynamische Anwendung einer gabelförmigen Hasel-
ruthe, deren sich die Bergleute seit Jahrhunderten zu Auf-
findung der Erze und Quellen mit Erfolg bedient haben sol-
len, und welche auch neben den Ritterschen Versuchen mit
dem Schwefelkießpendcl noch immer in des vom Professor
Amoretti in Mailand so treulich unterstützten Campctti Hän-
den ihre Rolle gespielt hat, geglaubt, widerlegt und gestritten
worden ist, *) und wenn es überhaupt von jeher Menschen gege-
ben haben soll, die mit einer besonder« Kraft Quellen unter
der Erde zu entdecken (man denke nur an den Knaben Pa-
rangue in der Dauphine und an den berüchtigten Bleton,
der selbst vor Franklin seine hydroscopischen Versuche machte
und an Thouvcnel seinen Herold fand, **) begabt gewesen sind,
und so konnte es kaum fehlen, daß man nicht dabei auch oft
an jene Zaubcrruthc in den Händen des Hermes und an jene
Wunderruthc, von welcher Cicero in einer bekannten Stelle

*) Alles Literarische in dieser Materie, welche zwischen iMZ —7.
so viele Federn in Bewegung gesetzt hat, fasit der damalige Münch-
ner Oberbibliothekar Ehr. von Are rin in seinen Beiträgen zur
Geschichte der Wünschelruthe, München 1807. 14öS. zu-
sammen, woraus Gilbert in seinen auch für diesen Gegenstand so
lehrreichen Annalen der Physik von 1807. Bd. XXVIl. s. IZ8. ff.
einen gedrängten Auszug gegeben hat.

**) Bekanntlich erhob schon der Lyoner Arzt Thouvenel dieses
Wünschelruthe»-Wesen zu einem eignen Zweig der Electricität, der
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